Über Menschenführung, Erfahrungswerte und leise Autorität: Die Begegnung mit einer Trainerlegende der Volleyball Bundesliga beim Heimspiel der Green Heroes.
Von Martin Haar
They never come back. Eine alte Sportweisheit, aber keine Wahrheit. 2.837 Tage nach seinem letzten Spiel als Trainer ist Stelian Moculescu (76) zurück: 1. Bundesliga Männer, Rampenlicht. Die Verbundenheit zu Mihai Paduretu, dem Geschäftsführer und Sportdirektor des TSV Haching München, gab den Ausschlag. „Ich habe es gemacht, weil wir befreundet sind und weil er gesagt hat: Ich weiß nicht weiter. So ein Szenario hatte ich selbst einmal als junger Trainer“, sagt der Mann, der den professionellen Volleyball in Deutschland geprägt hat wie kaum ein anderer.
Da stand er also wieder. Die Trainerlegende, der Freund klarer Worte, der mit dem VfB Friedrichshafen 13 Meistertitel und 13 Pokalsiege hamsterte. „Diese Geschichten, wenn jemand nach längerer Zeit zurückkommt, auch nur kurzfristig, die elektrisieren. Die machen etwas mit den Menschen“, weiß Moculescu.
Und so ist auch an diesem Sonntag vor dem Bundesliga-Spiel der Hachinger gegen die cerebricks VOLLEY GOATS Mitteldeutschland klar: Wenn Stelian Moculescu einen Raum betritt, ist seine Geschichte schon da. Aber sein Comeback in der Geothermie Arena ist mehr als ein nostalgischer Abglanz. Es ist ein weiteres Kapitel einer Sportlegendengeschichte. Doch dieses hat eine völlig andere Textur.

Trainerlegende Stelian Moculescu und VBL-Geschäftsführerin Kim Oszvald-Renkema am Rande des Heimspiels beim TSV Haching München.
(Foto: VBL)
Moculescu verzichtet auf die großen Gesten. Mehr noch: Er tritt bewusst in die zweite Reihe. Hände hinter dem Rücken verschränkt. Der Blick nach vorn. Eine Aura von Kontrolle, Konzentration und innerer Ordnung. Diese Haltung passt zu Moculescus Selbstbild als Stratege – doch er ist mehr als das. Wieder zeigt er sein feines Gespür für Menschen und die Statik des Spiels. Schon beim ersten Training haben die jungen Spieler gemerkt: Hier spricht keiner, der Theorien sammelt. Hier spricht einer, der erlebt hat. Einer, der sie versteht.
„Ich war Autodidakt. Ich bin fünf-, sechs-, siebenmal im Jahr nach Italien gefahren, habe Spiele geschaut, mit Trainern geredet. Du musst sehr viel investieren, um weiterzukommen“, sagt er und meint damit, dass er Volleyball von innen sieht. Als Spieler, der sich selbst neu erfand. Und als Trainer, der gelernt hat, dass Entwicklung Zeit, Neugier und Arbeit braucht. Immer mit dem Ziel, seinen Sport besser zu verstehen, um das Spiel, die Spieler und das Team besser zu machen. „Ich genieße es“, resümiert er seine drei Trainingseinheiten mit den Hachingern, „es hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil das Jungs waren, die lernen wollten.“
Natürlich prägen seine Grundsätze auch diese Trainingseinheiten:
• „Wenn zwei oder drei wirklich Freude am Training haben, ziehen sie alle anderen mit.“
• „Du musst Fokus setzen, Dinge brechen, etwas Neues probieren. Dann ist alles andere kurz vergessen.“
• „Wenn du weißt, wie du mit diesem Spieler umgehen musst, hast du kein Problem mit der Mannschaft.“
Schnell wird deutlich: Im Zentrum seiner Arbeit steht immer noch Menschenführung. Nicht als Selbstzweck oder Egotrip, sondern als Beziehung zu den Spielern. „Du musst auch ein bisschen Rattenfänger sein. Du musst Menschen begeistern“, sagt er und ergänzt: „Das steht in keinem Trainerbuch. Das sind menschliche Qualitäten.“ Am Ende müsse ein Trainer Menschen haben, die ihm folgen.

Menschenführung und Motivation sind zentrale Säulen von Stelian Moculescus Arbeit.
(Foto: VBL)
Leidenschaft zum Sport, zum Spiel. Diesen Funken hat Stelian Moculescu auch nach Haching gebracht. Auch wenn seine Sechs am Ende den Sieg im Tie-Break an die Gäste aus Mitteldeutschland geben musste. Aber der neue Spirit könnte sich schon bald in Punkten und Siegen niederschlagen. Denn in der kurzen Zeit hat Moculescu einen wichtigen Impuls in der Mannschaft gesetzt: „Die jungen Menschen müssen erkennen, dass sie einen Mehrwert haben.“ Sein Credo lautet daher: Wenn Ziel, Weg und Mittel klar sind, entstehe Motivation fast von selbst.
Sein eigener Weg war geprägt von Geduld und Verzicht. „Ich habe mit 100 Mark im Monat angefangen und jahrelang nichts verdient. Ich habe es gemacht, weil es meine Passion war“, sagt er und gab dem Namen „Nachwuchsarbeit“ einen Inhalt, lange bevor er in der deutschen Sportlandschaft als systemrelevant erkannt wurde: „Ich habe Spieler mit 14 genommen und sie zu Nationalspielern gemacht.“
Was ihn bis heute reizt, ist nicht die große Bühne, sondern die Arbeit am Detail. „Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, mit jungen Leuten individuell zu arbeiten und ein bisschen von dem Wissen weiterzugeben, das ich habe.“ Dass daran kaum Interesse besteht, kann der passionierte Golfer nicht nachvollziehen. Sich anzubieten, kommt für ihn dennoch nicht infrage: „Ich werde mich sicher nicht anbieten. Das mache ich nicht.“
Es ist also eher unwahrscheinlich, dass die Trainerlegende ein weiteres oder gar ein langfristiges Comeback gibt. „Etwas dauerhaft zu machen, dafür fehlt mir die Vorstellung“, sagt er. Aber wenn die Sportgeschichte eines gezeigt hat, dann ist es der Gegenbeweis des Satzes „They never come back“. Und tatsächlich wird man Stelian Moculescu bald wieder beim Volleyball sehen. Nicht als Trainer, aber als Gast der Volleyball Bundesliga (VBL). Nämlich beim Zoi DVV-Pokalfinale 2026 am 28. Februar in Mannheim, wo sein Ex-Club VfB Friedrichhafen im Finale der Männer um 19 Uhr auf die SVG Lüneburg trifft – und um 16 Uhr im Finale der Frauen Allianz MTV Stuttgart gegen den VfB Suhl LOTTO Thüringen spielt.