• VfB Suhl LOTTO Thüringen gewinnt Thüringer Wald Supercup 2026 und holt den ersten Titel der Saison

    VfB Suhl LOTTO Thüringen gewinnt Thüringer Wald Supercup 2026 und holt den ersten Titel der Saison

    Vor 2.000 Zuschauer:innen in der HUK-COBURG arena in Coburg hat sich der VfB Suhl LOTTO Thüringen im Thüringer Wald Supercup 2026 gegen den Dresdner SC  mit 3:0 (26:24, 29:27, 25:23) durchgesetzt und sich damit den ersten Titel der Saison 2026/27 gesichert. Im Duell zwischen dem amtierenden Meister und Zoi DVV-Pokalsieger Suhl und dem Vizemeister Dresden entwickelte sich zum Saisonauftakt ein intensives Spiel, dem MVP Hannah Hartmann ihren Stempel aufdrückte. Für Suhl bedeutet der Sieg nicht nur den ersten Supercup-Triumph bei der ersten Teilnahme am Wettbewerb, sondern auch den dritten Titel im Jahr 2026.


    Dresden direkt präsent im Block, doch Suhl mit der besseren Abstimmung

    Nachdem beide Trainer sich bei der Neuauflage des Playoff-Finales der Vorsaison im Vorfeld die Favoritenrolle zuschieben, aber nicht annehmen wollten, mussten beide Teams die Antworten auf dem Feld geben. Der Dresdner Neuzugang Lena Kindermann eröffnete mit einem clever gelegten Ball hinter den Block die neue Saison. Fans sahen einen ausgeglichenen Start beider Mannschaften, bei dem Dresden etwas besseren Zugriff im Block hatte (3:3). Zuspielerin Sarah Straube setzte ihre Nationalmannschaftskollegin Mette Pfeffer auf Mitte effizient in Szene und brachte den DSC mit 6:8 leicht in Führung. Auf Suhler Seite überzeugte direkt in Folge Hannah Hartmann von der Aufschlaglinie und stellte mit einem Ass den Gleichstand her (10:10), auf den Alex Waibl mit seinem ersten Time-Out reagierte. Suhl konnte nun besser mit dem Dresdner Block umgehen und Diagonalangreiferin Hartmann brachte ihre Angriffe immer wieder auf der Linie unter (16:14). Die Ex-Suhlerin Mackenzie Foley zeigte sich wieder als Spielerin für die schwierigen Situationen und brachte den DSC zurück auf Augenhöhe (16:16). Erneut platzierte jedoch Hartmann den Ball in der Feldecke, zwang Dresden zur zweiten Auszeit und zur Umstellung in der Blockpositionierung. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, aus dem nach einer Challenge-Entscheidung der VfB mit leichten Vorteilen in die Crunchtime (22:18) überging. Immer wieder zeigte sich auch hier, dass die Abstimmung zwischen Zuspiel und Angriff bei Suhl besser funktionierte. Dresden machte das Spiel noch einmal knapp, aber die Mannschaft von László Hollósy sicherte sich mit einem Ass den ersten Satz der Saison (26:24).


    MVP Hannah Hartmann stellte die Dresdner Annahme und Abwehr regelmäßig vor Probleme.
    (Foto: Sebastian Schmidt)

    Ein vermeintlich sicherer Vorsprung und ein starkes Comeback

    Den Beginn in Durchgang zwei prägte Hannah Hartmann erneut mit druckvollem Aufschlag und brachte ihr Team mit 4:2 in Front. Die Nationalspielerinnen Kindermann und Pfeffer brachten Dresden zuerst mit einem Blockpunkt und dann mit einem Ass wieder auf Augenhöhe (4:5). Die Fans sahen jetzt viel Feldabwehr auf beiden Seiten. Mackenzie Foley nutzte einen Overpass gnadenlos und plötzlich lagen die Dresdnerinnen 7:9 in Front. Zwei Angriffsfehler von Suhls Lucia Herdova ließen den Vorsprung anwachsen (8:12) und László Hollósy reagierte mit seiner ersten Auszeit. Doch der Suhler Chefcoach musste mitansehen, wie sein Team aufgrund von Unsicherheiten in der Annahme und fehlender Konsequenz im Angriff weiter das Nachsehen hatte und griff bei 11:17 zum nächsten Time-Out. Die neu eingewechselte Digonalangreiferin Nina Dreisigova brachte frischen Wind auf Suhler Seite und verkürzte mit zwei variablen Angriffslösungen auf 15:18. Eine Auszeit von Alex Waibl verfehlte ihre Wirkung - bei 17:18 war das Suhler Comeback gelungen und das Spiel wieder völlig offen. Lucia Herdova besorgte dann mit einem kraftvollen diagonalen Angriff über Außen für den Ausgleich (21:21). Auf der Gegenseite erarbeitete Foley jedoch aus einer erneut herausfordernden Situation den Satzball. Doch wie in einem Spiegelbild von Durchgang eins ging auch der zweite Satz noch einmal in die Verlängerung – und nach fünf ungenutzten Dresdner Satzbällen hatte Suhl das bessere Momentum und Außenangreiferin Lucia Herdova besiegelte den zweiten Suhler Satzgewinn mit 29:27.


    Das Zusammenspiel zwischen Mette Pfeffer und Sarah Straube funktionierte bei Dresden gut, konnte aber selten eingesetzt werden.
    (Foto: Sebastian Schmidt)

    Suhl übernimmt die Hoheit am Netz und das Momentum

    Den sicher geglaubten, aber noch verlorenen zweiten Satz konnte Dresden jedoch mental abschütteln und egalisierte nach Führung des VfB im dritten Durchgang bei 5:5. Einfache und konsequente Side-Outs auf beiden Seiten dominierten nun die Partie. Das gute Zusammenspiel von Sarah Straube und Mette Pfeffer brachte den DSC mit 8:11 in Führung und László Hollósy zog die Auszeit. Mit Erfolg: Der VfB fand mit zwei direkt Blockpunkten hintereinander den Anschluss wieder und Hannah Hartmann gestaltet den Satz mit einem Ass zum 13:13 wieder völlig offen. Immer wieder setzte Suhls Zuspielerin Lara Nagels mit variabler Spielgestaltung ihre Angreiferinnen in Szene – auch Svea Naujack übernahm dadurch erfolgreich immer mehr Verantwortung. Mit einem Aufschlag auf die Linie brachte sie die Thüringerinnen mit 18:15 auf die Siegerstraße. Dresden hingegen bekam die druckvollen Aufschläge Suhls nicht in den Griff und offenbarte immer wieder kleinere Annahmeschwächen. Der VfB wurde nun auch von den anwesenden Fans lautstark getragen, war in den entscheidenden Momenten sicherer und selbstbewusster und bog mit 22:18 auf die Siegerstraße ein. Die folgende Comebackphase Dresdens unterbrach die starke Hannah Hartmann mit einem harten Angriff zum 24:21-Matchball. Einen Dresdner Overpass nutzte Emma Boyd kompromisslos und machte den Double-Sieger VfB Suhl LOTTO Thüringen zum Gewinner des Thüringer Wald Supercup 2026 (25:23).


    Der VfB Suhl LOTTO Thüringen gewinnt den Thüringer Wald Supercup 2026 und macht damit die Premiere im Wettbewerb perfekt.
    (Foto: Sebastian Schmidt)

    MVP des Spiels wurde Diagonalangreiferin Hannah Hartmann, die 14 Punkte zum Sieg beisteuerte und den Dresdner Annahmeriegel mit ihren Aufschlägen durchweg vor Probleme stellte. Entsprechend glücklich war die Leistungsträgerin des VfB Suhl LOTTO Thüringen unmittelbar nach dem Titelgewinn: „Es macht Spaß, mit der Mannschaft diesen Erfolg zu feiern und zu sehen, was wir jetzt schon können“, so Hartmann. Der 3:0-Erfolg sei möglich geworden „weil jeder alles reingegeben hat und weil wir mit voller Emotion drin waren. Weil einfach vieles schon gepasst hat und jeder seinen Anteil geleistet hat.“

    Auch Trainer László Hollósy sieht den Grund für den Triumph beim leidenschaftlichen Einsatz seines Teams. „Ich bin sehr stolz auf das Team, weil die Frauen heute gezeigt haben, dass wirklich nichts unmöglich ist, wenn man hart arbeitet. Auch wenn wir in schwierigen Situationen waren und wir Doppelwechsel vornahmen, konnte ich mich auf alle Spielerinnen verlassen. Es war eine großartige Mannschaftsleistung, besonders gegen Dresden.“

    Sein Gegenüber, Dresdens Coach Alexander Waibl, sah vor allem im zweiten Durchgang den Knackpunkt. „Es war ein schwieriges Spiel für uns. Wir sind ganz gut reingekommen, aber hatten im ersten Satz fünf, sechs extrem knappe Situationen gegen uns. Im Endeffekt verlieren wir das Spiel im zweiten Satz. Wir sind relativ klar in Führung, haben dann aber Probleme, wenn die Annahme nicht da ist, etwas Produktives hinzubekommen. Suhl hat wie immer sehr gut Block-Feld-Abwehr gespielt und das Momentum haben sie dann in den dritten Satz mit reingenommen.“

    Für Zuspielerin Sarah Straube waren in der frühen Phase der Saison noch mehrere Abstimmungsprobleme spürbar. „Wenn man auf den Spielstand guckt, ist ein 3:0 sehr klar – aber alle Sätze endeten mit nur zwei Punkten Unterschied. Man hat gesehen, dass die Abstimmung, auch zwischen Zuspiel und Angriff noch fehlt. Ich denke, das war ausschlaggebend.“

    Nach dem Spiel ehrten Thomas Dörr, Referent Marketing DEKRA Deutschland, und VBL-Geschäftsführerin Kim Oszvald-Renkema die Unparteiischen. Die Thüringer Justizministerin Beate Meißner und David Möller, Staatssekretär für Sport und Ehrenamt in Thüringen, übereichten dann den Spielerinnen des VfB Suhl LOTTO Thüringen die Goldmedaillen. Ralf Weber, Geschäftsführer der Mantos GmbH, ehrte im Anschluss die MVP des Spiels, Hannah Hartmann. Unter großem Jubel nahm zum krönenden Abschluss VfB-Kapitänin Roosa Laakkonen die Supercup-Trophäe aus den Händen von Thüringens Innenminister Georg Maier entgegen.


    Weitere Bilder zur freien redaktionellen Verwendungen unter Angabe der Fotograf:innen finden sie hier:
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    Oct 3, 2026, 9:50 PM
  • „Play like a Girl“: VBL und 2fingerapparel setzen gemeinsames Statement für Frauen im Sport

    „Play like a Girl“: VBL und 2fingerapparel setzen gemeinsames Statement für Frauen im Sport

    Die Volleyball Bundesliga (VBL) und das Hamburger Streetwear-Label 2fingerapparel setzen ihre Fashion-Partnerschaft fort. Ab Samstag, 3. Oktober 2026, um 13 Uhr ist die neue gemeinsame Kollektion „Play like a Girl“ im Onlineshop von 2fingerapparel erhältlich. Das Projekt ist Teil der Frauensportstrategie der VBL und greift die Frage auf, wie Frauen im Sport wahrgenommen werden. Aus einer Formulierung, die noch immer häufig abwertend verwendet wird, wird dabei ein selbstbewusstes Statement für Leistung, Sichtbarkeit und die Freude am Sport.

    „Du spielst wie ein Mädchen.“ Ein Satz, der auch heute noch häufig nicht als Kompliment gemeint ist. Genau hier setzt die neue gemeinsame Kollektion von VBL und 2fingerapparel an. Unter dem Motto „Play like a Girl – so I did“ wollen beide Partner den Begriff bewusst neu besetzen und hinterfragen, warum „wie ein Mädchen“ überhaupt negativ konnotiert ist.

    Die Idee für das Projekt entstand bereits vor mehreren Monaten. Ausgangspunkt war die gemeinsame Überzeugung, dass Gleichberechtigung im Sport nicht allein gleiche Chancen bedeutet. Ebenso entscheidend ist, wie über Sportlerinnen gesprochen wird, welche Bilder mit ihnen verbunden werden und welchen Raum ihre sportliche Leistung bekommt.

    Teil der Frauensportstrategie der VBL

    Für die Volleyball Bundesliga ist die Kollektion deshalb mehr als ein weiteres gemeinsames Merchandise-Produkt. Sie ist Teil der Frauensportstrategie der VBL, mit der die Liga den Frauenvolleyball nachhaltig weiterentwickeln und insbesondere die Sichtbarkeit von Athletinnen und ihrer sportlichen Leistung stärken möchte.

    „Frauen im Sport werden noch immer viel zu häufig danach beurteilt, wie sie aussehen, auftreten oder Emotionen zeigen. Dabei sollte im Mittelpunkt stehen, was sie als Sportlerinnen leisten und wer sie sein möchten. Genau darum geht es bei unserer Frauensportstrategie: um Sichtbarkeit, Wertschätzung und die Freiheit, Sportlerin zu sein, ohne in eine bestimmte Rolle passen zu müssen. Mit ‚Play like a Girl‘ möchten wir gemeinsam mit 2fingerapparel aus einem vermeintlich abwertenden Satz ein selbstbewusstes Statement machen“, sagt Kim Oszvald-Renkema, Geschäftsführerin der Volleyball Bundesliga.

    Die Botschaft richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an Frauen. Die Kollektion ist für alle Geschlechter gedacht. Denn Gleichberechtigung, Fairness und Respekt im Sport können nur gemeinsam vorangebracht werden.


    Das gemeinsame T-Shirt "Play like a Girl" von 2fingerapparel und VBL - Statement statt Abwertung.
    (Foto: Justus Stegemann)

    Aus einer Abwertung wird ein Statement

    Für 2fingerapparel steht vor allem die Sprache hinter „Play like a Girl“ im Mittelpunkt. Denn solche Zuschreibungen prägen nicht nur, wie sportliche Leistung wahrgenommen wird, sondern auch, was junge Mädchen sich selbst zutrauen.

    „‚Play like a Girl‘ wird noch immer viel zu oft als Abwertung benutzt. Wir möchten daraus ein selbstbewusstes Statement machen. Denn stark sein, ehrgeizig sein, Emotionen zeigen, gewinnen, verlieren und Spaß am Sport haben, hat kein Geschlecht. Mit dem Shirt wollen wir genau diese Haltung sichtbar machen, im Volleyball und darüber hinaus“, sagt Elena Zahn, Gründerin von 2fingerapparel.

    „Play like a Girl – so I did“ dreht deswegen die Perspektive bewusst um: Nicht das „Girl“ ist das Problem, sondern die negative Bedeutung, die dem Begriff über Jahre gegeben wurde.

    Fashion-Partnerschaft mit Haltung

    Mit der neuen Kollektion setzen VBL und 2fingerapparel ihre gemeinsame Fashion-Partnerschaft fort. Beide Partner verfolgen dabei das Ziel, Volleyball stärker über die Grenzen der Sporthalle hinaus sichtbar zu machen und die Werte des Sports mit moderner Streetwear zu verbinden.

    Bereits das erste gemeinsame Shirt „Can’t block love“ setzte ein Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und Akzeptanz. Mit „Play like a Girl“ rückt nun gezielt der Frauensport in den Mittelpunkt.

    Über 2fingerapparel
    2fingerapparel ist eine junge Streetwear-Marke, die (Beach-)Volleyball vom Sand und aus der Halle auf die Straße bringt. Aus der Community heraus entstanden, steht das Label für moderne, nachhaltige und hochwertige Mode mit klarem Auftrag: Volleyball-Designs zu entwickeln, die Alltagstauglichkeit und den Spirit des Sports verbinden. Die Gründer:innen sind selbst aktive Beachvolleyballer:innen und entwickeln ihre Kollektionen aus der Szene für die Szene. Gemeinsam mit der Volleyball-Community möchte das Hamburger Start-up dazu beitragen, den Sport auch abseits des Spielfelds stärker sichtbar zu machen.

    Zum Onlineshop: https://www.2fingerapparel.com/indoor

    Oct 2, 2026, 4:04 PM
  • Volleyball Bundesliga übernimmt zusätzliche Regeltests der CEV

    Volleyball Bundesliga übernimmt zusätzliche Regeltests der CEV

    Die Volleyball Bundesliga (VBL) folgt der Entscheidung des Europäischen Volleyball Verbands (CEV) und übernimmt weitere Regeltests. Die zusätzlichen Regelungen gelten ab dem 09. Oktober in allen Wettbewerben der VBL.

    Die weitreichendste der international getesteten Änderungen betrifft die Deckenberührung. Berührt der Ball nach der ersten oder zweiten Ballberührung eines Teams die Decke oder einen anderen festen Gegenstand oberhalb der Spielfläche und bleibt anschließend auf der eigenen Seite spielbar, darf der Ballwechsel fortgesetzt werden. Prallt er hingegen in die gegnerische Spielfläche zurück, ist er „aus“.

    Diese Änderung folgt der vom Weltverband FIVB verfolgten Spielphilosophie „Let the ball fly“: Der Ball soll länger im Spiel bleiben und spektakuläre Rettungsaktionen sollen möglich sein. Die VBL hat sich entschieden, die Regelung einzuführen und ihre Auswirkungen im Spielbetrieb aufmerksam zu beobachten. Besonderes Augenmerk gilt dabei den unterschiedlichen Deckenhöhen und Deckenkonstruktionen der Hallen, die beeinflussen können, wie häufig und in welchen Situationen die Regel zum Tragen kommt. Die bisherigen internationalen Erfahrungen sind nur bedingt übertragbar: Während in offiziellen FIVB-Wettbewerben ein freier Spielraum von mindestens 12,5 Metern vorgeschrieben ist, sind es in der 2. Bundesliga nur mindestens 7 Meter.

    Zu den weiteren Regeltests gehört die Erhöhung der Anzahl der Spieler:innenwechsel. Statt sechs sind nun acht Spieler:innenwechsel pro Satz möglich. Alle anderen Festlegungen zu Wechseln bleiben unberührt. Die Zusammensetzung der Mannschaften wird weiter liberalisiert. Innerhalb der 14er-Mannschaftsliste sind die Mannschaften am Spieltag frei darin, zwei, einen oder keinen Libero zu benennen. Schiedsrichter:innen beenden zukünftig klare (Fehler-)Situationen nicht mehr mit einem Pfiff, sondern zeigen nur das entsprechende Handzeichen. Dies betrifft folgende Situationen: Der Ball landet eindeutig im Feld oder außerhalb des Feldes, überquert nicht die Netzebene nach einem Aufschlag oder nach einer eindeutigen Blockberührung landet der Ball zweifelsfrei außerhalb des Spielfeldes.


    Die VBL folgt der Entscheidung der CEV und übernimmt zusätzliche Regeltests für die Saison 2026/27.
    (Foto: Elisabeth Kloth)

    Um Verletzungsrisiken zu reduzieren, werden separate Aufschlagzeiten für die Teams angewandt. Die letzten drei Minuten des offiziellen Erwärmens am Netz sind für Aufschläge vorgesehen – jeweils 90 Sekunden lang steht jedem Team das gesamte Spielfeld dabei zur Verfügung. Trainer:innen in der 1. Bundesliga dürfen zur Erläuterung von Challenge-Anträgen zukünftig mit dem Schiedsgericht sprechen.

    „Mit der Entscheidung der CEV gibt es nun eine Grundlage für die weitere Umsetzung der internationalen Regeltests. Wir haben uns mit den Clubs ausgetauscht, ob und inwieweit kurz vor Saisonstart der 1. Bundesligen und im bereits laufenden Spielbetrieb der 2. Bundesligen solche Änderungen vertretbar sind. Unter der Maßgabe der Wettbewerbsneutralität haben wir entschieden, die Anpassungen zeitnah, einheitlich und in allen Wettbewerben der VBL umzusetzen“, erklärt Daniel Sattler, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga.

    Die bereits zum Saisonstart eingeführten Regeltests zur Technikbeurteilung von Angriffsbällen, Positionsfehlern zum Zeitpunkt des Aufschlags sowie zur Challenge in den 1. Bundesligen bleiben bestehen.

    Bei sämtlichen Anpassungen handelt es sich ausdrücklich um Regeltests und nicht um allgemeingültige Änderungen der offiziellen Volleyballregeln. Die Regeltests finden ab dem 09. Oktober im gesamten Spielbetrieb der Volleyball Bundesliga sowie im Zoi DVV-Pokal ab der Qualifikationsrunde Anwendung. Mit Ausnahme der Deckenberührung werden die Testungen bereits am 03. Oktober im Thüringer Wald Supercup 2026 angewendet. Die Dritten Ligen und tieferen Spielklassen sowie die Jugendwettbewerbe von DVV und Landesverbänden bleiben davon unberührt.

    Oct 2, 2026, 12:56 PM
  • Seitenwechsel: „Durch das Pfeifen ist man aktiver Teil des schönsten Sports der Welt“

    Seitenwechsel: „Durch das Pfeifen ist man aktiver Teil des schönsten Sports der Welt“

    Sekundenbruchteile entscheiden, und manchmal sind Tausende in der Halle überzeugt, es besser gesehen zu haben. Für eine Schiedsrichterin bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen, Fehler auszuhalten und der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. In unserer Serie "Seitenwechsel - Die Frauen hinter den Entscheidungen" wollen wir mit Kurzinterviews etwas tiefer in die Gedanken und Gefühle der Unparteiischen blicken. Das zweite Interview haben wir mit Bettina Klösch geführt.

    Ist Pfeifen besser als Spielen?

    Ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht als Schiedsrichter pfeifen würde, wenn ich nicht selbst als Spielerin aktiv gewesen wäre. Meine Volleyball-Karriere begann, familiär bedingt, früh. Alle meine drei großen Geschwister spielten Volleyball. So war für mich früh klar, das will ich auch!  Rückblickend betrachtet, begleitet mich der Volleyballsport nun schon seit knapp 28 Jahren. In all den Jahren habe ich keine andere Sportart ausprobiert, weil ich jeden Tag neu von ihr fasziniert bin. Sie entwickelt sich stets weiter und erhält immer wieder neuen Input. Auch heute noch gehe ich regelmäßig ins Hallentraining und spiele zudem Beachvolleyball auf Freizeit-Ebene. Es ist in den 28 Jahren keine Saison (außer schwangerschaftsbedingt) vergangen, in der ich nicht bei mindestens zwei oder mehr Spielen aktiv war. Seitdem ich Mutter bin, liegt der Fokus aber hauptsächlich auf dem Pfeifen. Angefangen mit 16 Jahren ging es von der D-Lizenz über die C-Lizenz zur ersten Bayernliga-Saison als Pflicht-Schiedsrichterin für meinen Verein im Jahr 2012. Ab da ging es dann richtig los und schnell weiter in höhere Ligen. Volleyball ist neben meiner Familie (mein Mann und ich sind beide dem Volleyballsport verfallen) meine größte Leidenschaft. Durch das Pfeifen ist man aktiv Teil des schönsten Sports der Welt. Unabhängig des Alters und der körperlichen Fähigkeiten. Natürlich ist es für mich auch wichtig, physisch fit zu sein. Aber als Schiedsrichterin interessiert es keinen, wie hoch man springt oder wie schnell man in Japanläufen unterwegs ist. Außerdem habe ich als Schiedsrichterin weiterhin alle Möglichkeiten, mich auch persönlich weiterzuentwickeln.

    Hast du einen besonderen Gerechtigkeitssinn?

    Ich habe einen Gerechtigkeitssinn, aber ob dieser besonders ist, mag ich bezweifeln. Für mich ist es wichtig, Regeln anzuwenden und durchzusetzen. Für mich ist es aber ebenfalls wichtig, das Drumherum und das große Ganze zu bewerten, und mich auf die Situation einzulassen, um folglich einschätzen zu können, wie und in welcher Form ich Regeln durchsetzen will.


    Schiedsrichterin Bettina Klösch hat gelernt, sich immer auf den aktuellen Ballwechsel zu fokussieren und nicht mit vergangenen Entscheidungen zu hadern.
    (Foto: Sebastian Schmidt)

    Was ist der schwerste Moment während eines Spiels?

    Für mich persönlich ist der schwerste Moment in einem Spiel, wenn ich selbst merke, dass die Entscheidung, die ich getroffen habe, die falsche war. Am Anfang meiner Karriere haben mich solche Fehlentscheidungen manchmal Punkte, wenn nicht sogar Sätze, lang begleitet. Immer wieder bin ich die Situation im Kopf durchgegangen und habe mich geärgert, warum ich nicht richtig oder anders entschieden habe. Je länger ich als Schiedsrichterin aktiv bin, desto mehr schaffe ich es, solche Denkweisen abzuhaken und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Ich bin ein sehr selbstreflektierter, selbstkritischer und ehrgeiziger Mensch, aber es ist wichtig, sich in solchen Situationen nicht ablenken zu lassen, sondern den Fokus auf dem aktuellen Ballwechsel zu haben, der gerade gespielt wird. Nach dem Spiel kann man analysieren und hinterfragen, was man hätte besser machen können. Das ist für mich ein ganz persönlicher Weiterentwicklungsprozess, der nur durch mehr Spiele und somit steigender Erfahrung vonstattengehen kann.

    Was lernst du als Schiedsrichterin über Menschen?

    Für mich als Mensch ist es in einem Bundesliga-Spiel enorm wichtig, als Team zu agieren. Die Entscheidungsfindung ist in einigen Situationen sehr schwer und erfordert sehr viel Übersicht, Weitsicht und Fingerspitzengefühl, sodass man sie oft nicht allein treffen kann, sondern auf Hilfe der anderen Beteiligten angewiesen ist. Deshalb ist es umso wichtiger, dass alle Kollegen an einem Strang ziehen und sich gegenseitig unterstützen, um am Ende die bestmögliche Schiedsrichterleistung abzuliefern.

    Gibt es eine Entscheidung oder Fehlentscheidung, die dich bis heute begleitet?

    Ich kann mich an eine Fehlentscheidung besonders erinnern. Ich war 1. Schiedsrichterin und mein Kollege hatte sein erstes Spiel als Schiedsrichter in der Bundesliga. Ich habe einen Übergriff der Mittelblockerin nicht abgepfiffen, obwohl mir danach ziemlich schnell klar war, dass dies vermutlich die richtige Entscheidung gewesen wäre. Die Situation ist mir deshalb so in Erinnerung, weil ich, wie bereits beschrieben, die nächsten Ballwechsel lang sehr viel an diesen nicht gepfiffenen Übergriff gedacht habe und mir dadurch in der Folge noch weitere Unsicherheiten und Fehler passiert sind. Manche waren mir im Spiel gar nicht richtig bewusst, weil ich so mit der vorherigen Situation beschäftigt war, bis mich der Schiedsrichter-Beobachter nach dem Spiel darauf hingewiesen hat.

    Was hat das Pfeifen mit dem Leben zu tun?

    Für mich ist das Pfeifen eine Möglichkeit, meine eigenen Fähigkeiten in einem spezialisierten Gebiet weiterzuentwickeln. Ich tausche mich regelmäßig mit meinen Schiedsrichter-Kolleginnen und -Kollegen aus und verbringe Zeit mit Menschen, die die gleiche Leidenschaft und Liebe für den Volleyballsport haben. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich nicht nur als Kollegin oder Kollege durch mein Leben begleiten, sondern die auch privat ein fester Bestandteil meines Lebens geworden sind. Außerdem heißt Pfeifen für mich, als Vorbild für meine Kinder voranzugehen. Einem Hobby, einer Leidenschaft nachzugehen, Zeit zu investieren, stets dranzubleiben, nicht zu schnell aufzugeben, auch wenn es mal schwierige Situationen zu meistern gilt.

    Wie gehst du damit um, wenn alle protestieren, du aber sicher bist: Ich habe es genau gesehen?

    Mit dieser Situation wiederum kann ich sehr gut umgehen. Wenn ich mir selbst sicher war, dass ich das Richtige gesehen und entschieden habe, dann kann ich persönlich gut darüber hinwegsehen, wenn protestiert wird. Natürlich nur in einem gewissen Rahmen. In jedem Spiel gibt es Emotionen, sonst wäre es auch langweilig, jeder will gewinnen und jeden Punkt für sich entscheiden. Das ist mir und jedem Schiedsrichter und jeder Schiedsrichterin bewusst. Hier kommt es auf Fingerspitzengefühl an. Wie viel Protest lasse ich zu? Wie versuche ich, die Mannschaften einzufangen und wieder Energie aus der Situation herauszunehmen? Ich bin ein großer Freund davon, erstmal mit Worten, Blicken oder kleinen Gesten deeskalierend zu wirken, bevor ich die Karten raushole. Natürlich gibt es immer wieder Spielsituationen oder Reaktionen, die keinen Spielraum lassen und nur mit Karte zu lösen sind.


    Bettina Klösch sieht emotionalere Reaktionen und schnelleres Spiel bei einem Männerspiel.
    (Foto: Steffen Eirich)

    Ist es ein Unterschied, Männer- oder Frauenspiele zu leiten?

    Ich würde sagen ja und nein. Ja, weil die Geschwindigkeit bei den Männern einfach viel höher ist und Männer meistens sehr viel emotionaler reagieren. Nicht hauptsächlich dem Schiedsgericht gegenüber, sondern vielmehr als Trash-Talk unter dem Netz zum Gegner. Aber auch nein, weil für mich jedes Spiel gleich ist. Egal ob Männer oder Frauen, 1. Liga oder 2. Liga oder alles darunter. Ich will immer bestmöglich meine Kollegen unterstützen, als Team gut zusammenarbeiten, um am Ende die beste Leistung des Schiedsgerichts abzurufen.

    Erlebst du gelegentlich Vorbehalte, wenn du ein Männerspiel leitest?

    Ich würde lügen, wenn ich noch nie einen Spruch wie „Oh, kommen heute zwei Frauen zum Pfeifen?“ gehört hätte. Aber ich versuche, das nicht immer gleich als negativ aufzufassen. Ja, wir Frauen sind in der Minderheit und ja, es ist selten, dass dann direkt zwei Frauen zusammen als Schiedsgericht angesetzt sind. Aber wenn man es Vorbehalte nennen will, kann ich das jetzt nicht gezielt auf Männerspiele eingrenzen. Das ist eher eine allgemeine Sache. Ich bin mir aber auch dessen bewusst, dass ich als Frau gegenüber Männern (Spielern oder Trainern) auch den ein oder anderen Vorteil habe. Manchmal hilft auch einfach ein nettes Lächeln, um eine Situation zu entschärfen. Aber grundsätzlich würde ich aus eigener Erfahrung sagen, es kommt den Mannschaften oder Trainern nicht auf das Geschlecht der Schiedsrichter:innen, sondern eher auf Konsistenz in der Entscheidungsfindung, Fairness und gegenseitigen Respekt an. Wenn sie wissen, was sie erwartet und wie die Schiedsrichterin in der ein oder anderen Situation reagiert oder agiert, ist ihnen das viel wichtiger als das Geschlecht.

    Zur Person:  Bettina Klösch

    Bettina Klösch ist 35 Jahre alt und lebt in Erlangen in Bayern. Seit 2018 ist sie als Schiedsrichterin in der Volleyball Bundesliga aktiv und hat bislang 103 Bundesliga-Spiele geleitet. Hauptberuflich forscht sie an der Uniklinik Erlangen zu Behandlungsmethoden in der Krebstherapie.

    Oct 2, 2026, 10:42 AM
  • Vor der zweiten Saison: Der SV Warnemünde ist gekommen, um zu bleiben

    Vor der zweiten Saison: Der SV Warnemünde ist gekommen, um zu bleiben

    Die erste Bundesliga-Saison war für den SV Warnemünde ein Sprung ins Ungewisse. Inzwischen ist aus dem Abenteuer ein Projekt mit Perspektive geworden. Trotz zehn Niederlagen zum Auftakt gelang der Klassenerhalt, zugleich lockte der Verein Tausende Menschen in die Rostocker Hallen. In der zweiten Saison im Oberhaus will sich der einstige Aufsteiger mit mehr Erfahrung, großen Plänen und viel ehrenamtlichem Idealismus dauerhaft in der 1. Bundesliga Männer etablieren. Der SV Warnemünde ist gekommen, um zu bleiben.

    „Es sind ja immer zwei Fragen, wenn man aufsteigt“, sagt Florian Wolter, der beim SV Warnemünde weit mehr ist als Teammanager. Gemeinsam mit Johannes Hofmeister organisiert er den Spielbetrieb, kümmert sich ehrenamtlich um Finanzen und Sponsoring und zieht im Hintergrund die organisatorischen Fäden. „Kriegt man das finanziell hin? Und kriegt man das organisatorisch hin?“

    Für Wolter wurde gerade der Hallenboden zum Sinnbild der neuen Liga: „Wir hatten besondere Probleme mit dem Boden, den überhaupt zu bekommen und zu lagern. Einen Spieltag organisieren konnten wir, aber der Ablauf mit dem Boden war die unbekannte Komponente. Das war schon eine Überraschungskiste.“ Eine, die funktionierte.

    Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt

    Der Aufstieg war kein Zufallsprodukt. Seit Jahren hatte sich der SVW kontinuierlich entwickelt und gehörte zu den stärksten Mannschaften der 2. Bundesliga. Die Chance auf den Aufstieg hatte sich sogar schon früher ergeben, doch der Verein verzichtete bewusst. „Wir hatten ja schon einmal die Möglichkeit, über das Aufstiegsprogramm der VBL hochzugehen“, berichtet Wolter. „Damals haben wir gesagt: Das ist zu früh für uns.“ Als die Meisterschaft schließlich in trockenen Tüchern war, führte am Aufstieg jedoch kein Weg mehr vorbei. „Dieses Mal hatten wir den Druck, aufzusteigen, weil es einfach von uns erwartet wurde“, erzählt Wolter weiter. Und so wurde im Sommer 2025 aus einem ambitionierten Zweitligisten ein Bundesligist.


    Auf der großen Bühne angekommen: Der SV Warnemünde bei der Premiere in der Berliner Max-Schmeling-Halle.
    (Foto: Andreas Gora)

    „Die Entwicklung des SV Warnemünde verdient große Anerkennung“, sagt Daniel Sattler, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga (VBL). „Der Verein ist seinen Weg ins Oberhaus bewusst und aus eigener Kraft gegangen. Gleichzeitig bleibt es eine große Herausforderung, einen Bundesligastandort ehrenamtlich zu tragen. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn der SVW künftig noch mehr Unterstützung aus der Stadt und der Region erhält, um sich langfristig in der Liga etablieren zu können. Welches Potenzial der Standort besitzt, haben nicht zuletzt die Heimspiele vor großer Kulisse in der Rostocker Messehalle gezeigt.“

    Von einer kalten Dusche bis zum sportlichen Ankommen im Oberhaus

    Sportlich wartete die Realität nicht lange. „Wir hatten am Anfang direkt die Top-Sechs der Liga vor der Brust“, erinnert sich Warnemündes Diagonalangreifer Jan-Philipp Krabel an den sportlichen Einstand im Oberhaus. „Da konnten wir uns die Hörner abstoßen. Niemand hat etwas von uns erwartet.“ Ein erster prägender Moment folgte schon beim zweiten Auswärtsspiel. „Wir standen auf einmal in der Max-Schmeling-Halle. Viele von uns kannten die Halle nur als Zuschauer von Champions-League-Spielen. Und plötzlich spielten wir selbst dort“, erinnert sich Krabel, der in seiner Zeit bei den Netzhoppers schon Oberhaus-Erfahrung gesammelt hatte. Doch vieles hat sich getan seit 2018, Volleyball in Deutschland ist größer geworden. Für Krabel und sein Team war es der berühmte „Welcome to the league“-Moment.

    Warnemünde kassierte zehn Niederlagen in Serie. Doch Krabel spürte früh, dass mehr möglich war: „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass wir in die Liga passen. Wir haben viele Spiele erst auf dem letzten Zentimeter verloren, Sätze gingen in die Verlängerung. Da wusste ich: Es fehlen nur Kleinigkeiten.“ Im Dezember dann wandelte sich das Gefühl innerhalb der Mannschaft. „Da waren wir angekommen“, so Krabel. Der erste Sieg war ein 3:0 gegen die BADEN VOLLEYS SSC Karlsruhe in der ARENA Rostock. Krabel steuerte 18 Punkte bei und avancierte zum Matchwinner. Es waren die ersten drei von insgesamt 19 Tabellenzählern und einem Ausrufezeichen im Pokal. Der sportliche Klassenerhalt war am Ende mehr als nur ein Erfolg. Er war der Beweis, dass der Aufsteiger in Deutschlands höchster Spielklasse bestehen kann. Laut Krabel wäre vielleicht noch mehr drin gewesen: „Wir haben unser Ziel erreicht, sportlich nicht abzusteigen. Das hätten wir vielleicht sogar früher schaffen können. Als die Info kam, dass sich Herrsching und Haching zusammenschließen, war dann vielleicht die Spannung weg.“ Der 28-Jährige ist überzeugt, dass das „mehr“ in Zukunft kommen wird.


    Diagonalangreifer Jan-Philipp Krabel war in der Saison 2025/26 ein zentraler Leistungsträger in Warnemünde.
    (Foto: SV Warnemünde)

    Eine Stadt entdeckt ihren Bundesligisten

    Mindestens genauso bemerkenswert entwickelte sich parallel das Interesse neben dem Spielfeld. Schon in der zweiten Liga hatte der SV Warnemünde viel Wert auf professionelle Heimspieltage gelegt. Die Bundesliga verlieh diesem Anspruch eine neue Dimension. Die Resonanz überraschte selbst die Verantwortlichen. Obwohl die Mannschaft zu Saisonbeginn zehn Spiele in Serie verlor, wurden die Heimspiele immer stärker nachgefragt. „Ich weiß noch, wie wir am Einlass komplett geschwommen sind“, erzählt Wolter. „Da standen Leute und haben gebettelt, dass sie noch in die Halle kommen.“

    Mit Spielen in der Rostocker Stadthalle und später in der Messehalle erreichte der Verein Menschen weit über die klassische Volleyballszene hinaus. „Da wusste zumindest mal für eine Weile jeder in Rostock, wer der SV Warnemünde ist“, erzählt Wolter weiter. Die Wahrnehmung in der Region ist ein wichtiger Faktor. Fußball-Drittligist Hansa Rostock macht regelmäßig das Ostseestadion voll - mit 25.000 Zuschauenden. Es gibt einen Basketball-Bundesligisten, die Rostock Seawolves, einen großen Handball-Verein und einen fast gleichnamigen weiteren Fußballverein in Warnemünde. „Da wussten wir von Anfang an, dass wir viel Werbung machen müssen, um den Leuten zu zeigen, wer wir überhaupt sind“, sagt Wolter, der in Zukunft noch mehr über das Thema Marke sprechen will. „Wir haben da sehr viel Arbeit geleistet und über uns gesprochen. Und das hat sich ausgezahlt.“


    Highlight-Spiele in der Rostocker Stadthalle haben das Volleyballerlebnis in Warnemünde auf ein neues Level gehoben.
    (Foto: Thoren Arlt)

    Einsatz für die Bundesliga-Zukunft

    Wer einen Heimspieltag besucht, erlebt Emotionen, Schweiß und natürlich Bundesligavolleyball. Was kaum sichtbar wird, sind die unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. „Man braucht ganz viel Idealismus“, sagt Wolter. Er spricht nicht nur von sich. „Das geht nur, weil sich Menschen aufopfern. Teammanager, Fans, Spieler, Familien, alle geben etwas dafür, ihren Verein oder ihren Freund auf dieser Bühne spielen zu sehen.“

    Auch Krabel kennt diese andere Seite des Leistungssports. Der Diagonalangreifer spielt seit 2018 für Warnemünde und weiß, dass Profivolleyball in Deutschland nur selten finanziellen Wohlstand bedeutet. „Ich wurde schon oft gefragt, warum ich Volleyball spiele“, sagt er. Während viele seiner Freunde längst einen klassischen Berufsalltag führen, hat er sich bewusst für einen anderen Weg entschieden. „Für mich ist es immer noch ein Privileg, Bundesliga zu spielen. Ich mache das nicht, um reich zu werden. Es ist mir einfach mehr wert, als nach dem Studium in einem Büro zu sitzen.“

    Die nächste Entwicklungsstufe

    Längst ist der Blick auf die neue Saison gerichtet. Dass die 1. Bundesliga sportlich eine andere Welt ist, zeigte sich auch in den Zahlen. „Wir waren mit Abstand das schlechteste Annahmeteam der Liga“, analysiert Krabel nüchtern. Für ihn liegt genau dort der größte Hebel. „Immer wenn unsere Annahme in einem Bereich war, in dem wir unser Spiel aufbauen konnten, waren es komplett andere Spiele. Deshalb müssen wir genau an dieser Stellschraube drehen. An zu vielen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen, hilft nicht.“ Die Basis dafür bleibt bestehen. Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Team im Hintergrund. „Das macht vieles einfacher“, sagt Wolter. „Viele Prozesse müssen wir jetzt nicht mehr neu erfinden.“ Auch organisatorisch wird Routine einkehren. „Wir mussten an vielen Spieltagen improvisieren. Das konnten wir gut. Aber ich glaube nicht, dass wir das künftig noch so oft müssen“, so Wolter weiter. Das soll auch für Ruhe im Kader sorgen. „Natürlich verpflichten wir auch Spieler auf gewissem Niveau von außen, weil man die einfach braucht. Sie haben natürlich nicht von Anfang an das gleiche Herzblut wie ein Tommy Mehlberg oder andere langjährige Spieler, die unsere Vereinsidentität im Blut haben. Und für sie sind diese improvisierten Sachen natürlich nicht so einfach. Aber wenn man das Drumherum so sieht, dann ist es das schon wert, das alles zu tun“, ergänzt Krabel.

    In der Spielzeit 2026/27 plant Wolter mit seinen Mitstreitern wieder Großes. Der 30-Jährige gibt einen Einblick: „Wir haben schon in der Rostocker Stadthalle vor 3.300 Menschen und dann ja auch in der Messehalle vor 1.500 Zuschauenden gespielt. Das hat richtig gut für uns funktioniert. Und da haben wir auch was losgetreten. Und das wollen wir natürlich auch im nächsten Jahr wieder haben. Woanders spielen, große Spiele schaffen – auch auf der Suche nach einer Heimspielstätte für die Zukunft des Volleyballs in Rostock.“


    Vereinsikonen wie Sören Schröder und Tommy Mehlberg (v.l.n.r.) sind gleichzeitig auch emotionale Leader im Team.
    (Foto: Thoren Arlt)

    Eine große Vision wirft ihre Schatten voraus

    Die Auswirkungen der ersten Bundesliga-Saison reichen längst über die erste Mannschaft hinaus. Immer mehr Kinder wollen Volleyball spielen. Die Ballschule stößt bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Kooperationen mit anderen Vereinen sollen auf- und ausgebaut werden, Talente trainieren regelmäßig mit den Bundesligaspielern. „Man sieht schon, dass hier Potenzial vorhanden ist“, sagt Krabel. „Einige der jungen Spieler können perspektivisch den Sprung in einen Bundesligakader schaffen.“ Für Wolter gehört genau das zur langfristigen Vision. „Wir wollen ein guter Standort für Spieler sein. – sind Trainingsstützpunkt. Rostock ist eine gute Stadt zum Leben, mit Strand, Universität und Perspektiven. Das spielt auch für den Nachwuchs eine große Rolle.“

    Die Herausforderungen sind groß. Im Leistungssport geht es um Geld, Sponsoren und Sichtbarkeit. Wolter hat eine große Vision: „Ich weiß genau, der Standort ist nicht am Ende. Ich bin mir sicher, dass wir noch den einen oder anderen Partner gewinnen können. Das ist diese Krux im Sportsponsoring. Du kannst deine Marke nicht nach oben bringen, wenn du nicht das Geld dafür hast. Ohne große Marke oder große Halle ist es aber schwieriger, Gelder an Land zu ziehen.“

    Die Ziele für die kommende Saison bleiben bewusst bodenständig. „Der Klassenerhalt bleibt natürlich das Ziel. Der Kader weiß jetzt, was ihn erwartet. Vieles wird Gewohnheit“, glaubt Krabel und meint damit unter anderem die ungewohnt weiten Auswärtsfahrten, die bei kleinen Vereinen nicht immer komfortabel sind. Sowohl Krabel als auch Wolter denken längst weiter. Der Diagonalangreifer blickt auf den sportlichen Horizont. „In fünf Jahren würde ich gerne sagen können, dass sich die Liga insgesamt positiv entwickelt hat und wir vielleicht als SV Warnemünde den Challenge Cup angreifen können.“

    Wolter denkt noch größer, denkt an den gesamten Volleyballstandort Deutschland. „Wir erleben gerade einen Aufschwung. Volleyball wird beliebter, wird mehr konsumiert und mehr gespielt. Wir wollen Teil dieses Aufschwungs sein, ein Leuchtturm der Liga. Ein Beachstandort, ein Hallenstandort, ein Jugendleistungszentrum. Wir wollen nicht nur Teil dieser Entwicklung sein, wir wollen sie mitgestalten.“ Die erste Bundesliga-Saison kann deshalb nur der Anfang der Reise des SV Warnemünde 1949 e.V. sein. Einem Verein, der längst bewiesen hat, dass große Geschichten dort entstehen, wo Menschen gemeinsam an eine Idee glauben.

    Sep 30, 2026, 11:44 AM

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