VOLLEYBALL BUNDESLIGA

SVS verlor

SV Schwaig vs. BADEN VOLLEYS SSC Karlsruhe, 24.10.20, 2. BLSM
MVP Michal "Mike" Dzierwa
Foto: Güner Santemiz

Während die Volleyballer des SV Schwaig aus den letzten drei Spielen nur zwei Punkte ergatterten, vermochten am Samstagabend die Gäste aus Karlsruhe den fünften Sieg in Serie zu feiern. Mit 1:3 (25:17, 16:25, 21:25, 18:25) musste sich der SVS im Spitzenduell in eigener Halle den Baden Volleys geschlagen geben. Der SSC verdient in einem dramatischen Aufeinandertreffen, dem siebten Saisonspiel des SVS in dieser neuen, so gänzlich anderen Saison.

Wer dem Faden der Ariadne zu folgen vermag – besser: ihn vielmehr für sich anlegt −, bezwingt selbst in einem Labyrinth übermächtige Gegner wie einen Minothauros und findet danach, so der Mythos, bestens gelaunt auf den Lebensweg zurück. Die Zweitliga-Volleyballer des SVS knüpften sich diesen Faden im ersten Satz noch an einen Netzpfosten, ackerten los, gewannen beeindruckend mit 25:17 −, und dann, ja dann riss es, dieses Band. Die Gäste aus Karlsruhe wiederum, jener starke Minothauros mit vier Siegen im Gepäck und Tabellenzweiter, rappelten sich zurecht auf, türmten – weiterhin bildlich gesprochen – ihre Kräfte und gewannen souverän mit 3:1. So die Zusammenfassung eines denkwürdigen Matches, das der SVS nach brillantem Start doch noch verloren geben musste.

94 Minuten dauerte die Gegenwehr in der Gelben Halle, bei der die Gelbblauen im erwähnten ersten Satz ihre Führung wie unangestrengt mit 14:9 und 21:16 durchboxten. Blocks, Abwehr, Annahme, alles funktionierte bestechend. Nicht nur „Diagonalbrecher“ Michal Dzierwa (später zum MVP gewählt), das komplette Team agierte auf einem völlig anderen Niveau als noch am vergangenen Wochenende. Nikola Scerbakov agierte als guter Zuspieler, „Peky“ Stanic, Jan Kolakowski und Yannick Klement beeindruckten durch dramatische Angriffe beziehungsweise stabile Ballannahme; das Team lief rund, kompakt und voll konzentriert. Der eingangs geschilderte Faden wurde konsequent abgespult −, es konnte eigentlich nur so weitergehen. Die 85 Zuschauer jubelten, alles war nach ihrem Geschmack.

SVS plötzlich verunsichert

Doch als hätte jemand eine Schere ins Geviert geworfen, lagen die Schwaiger im zweiten Durchgang plötzlich mehrfach vier, beim 8:17 sogar neun Punkte hinten. Trainer Milan Maric warf mit Schwabe und Staroscik die beiden Christians in die Waagschale, wechselte überhaupt mehrfach durch, doch es nutzte nichts: Der berühmte Faden war zerschnitten, die Badener Volleys hatten sich vor Ort eingefunden und dominierten in diesem Durchgang nach Belieben. Dem SVS gelangen – bei spektakulären Ballwechseln − zwar immer wieder kosmetische Korrekturen. Doch der zweite Satz blieb ein umgekehrtes Spiegelbild des ersten: Jetzt gewann der SSC minothaurische Oberhand und drehte konzentriert den Spieß einfach um.

Im dritten Absatz begannen beide Teams auf spannender Augenhöhe: 4:1 führte der SVS anfangs, lag beim 6:7 erstmals zurück, dann ging´s über 11:11, 13:13 und 15:15 unentschieden weiter, bis hin zur fein herausgespielten 21:17-Führung. Doch wie bereits am vorherigen Wochenende, konnte genau diese – Stichwort Faden – nicht ausgenutzt werden: Drei Bälle vertändelten die Schwaiger bis zum 21:20, dann verloren sie beim 21:22 endgültig den Zugriff. Durch die Halle hallte Maric´ Verärgerung laut, trotzdem schlugen seine Männer sich in dieser Phase vor allem selbst. 1:2 lag das fränkische Team nach dem 21:25 zurück; die Karlsruher hingegen beeindruckten durch eine kantige Physis und Psyche.

Dass der SVS auch im letzten Viertel weiterhin auf einem gänzlich hohen Niveau agierte, änderte nichts daran, dass das der brustbreiten Gäste noch höher war: Der SSC war an diesem Abend nicht zu bezwingen. Völlig bei der Sache, drückten die Angereisten den SVS sofort mit 4:1, später 13:9 und 20:14 an die Wand. Im Laufe des Spitzenspieles – das fiel auch in diesem Satz auf − vergaben die Schwaiger sieben(!) Aufschläge, mit denen sie durchaus noch einmal hätten „rankommen“ können. Doch der SSC gewann verdient dank einer überragenden Abwehrleistung; im Angriff – hier zu erwähnen auch Sven Kellermann und auf Gästeseite der MVP-starke Jens Sandmeier – waren beide Teams in etwa gleich durchsetzungsfähig. Die Revanche der Gäste am Mittelbügweg? War somit geglückt: Im letzten Jahr hatten die Franken nach nur 70 Minuten mit 3:0 gewonnen.

Für den SVS bedeutet die dritte Saisonniederlage, dass er sich gegen die nächsten Gegner Delitzsch (auswärts) und Aufsteiger TV Bliesen (daheim am 7. November) mächtig wird strecken müssen, um in der Tabelle nicht abzurutschen. Dass die Schwaiger auf einem gesondert hohen technischen Level agieren können, haben sie zwar auch gegen den SSC bewiesen −, schwieriger wird jetzt werden, ihnen neues Selbstvertrauen und einen künftig haltbareren Faden der Ariadne in die Hände zu legen.

veröffentlicht am Montag, 26. Oktober 2020 um 08:34; erstellt von Dr. Thomas Lappe, SV Schwaig b. Nbg. e.V.
letzte Änderung: 26.10.20 08:34