VOLLEYBALL BUNDESLIGA

Von 100 auf 0: Wie sich Volleyball-Profis jetzt fithalten

VBL-News

Das Corona-Virus hat nicht nur die Volleyball-Bundesliga vorzeitig in die Saisonpause gebracht, sondern auch die Trainingsmöglichkeiten aller Spielerinnen und Spieler grundlegend verändert. Was das für die Profis nun bedeutet erklärt Sportwissenschaftler Michael Döring, Athletiktrainer beim SSC PALMBERG Schwerin.


Auch ohne Volleyball hält Michael Döring seine Spielerinnen fit. (Foto: Eckard Mai)

Herr Döring, Sie sind Athletiktrainer beim SCC PALMBERG Schwerin, was zählt zu ihren Hauptaufgaben?

Michael Döring: „Meine Hauptaufgabe ist die Planung und Durchführung des Kraft- und Athletiktrainings, vorrangig für das Team der 1. Bundesliga, aber auch für unsere Nachwuchsteams bei uns am Bundesstützpunkt. Dabei geht es neben dem individuellen Leistungsaufbau der einzelnen konditionellen Fähigkeiten auch um die Verletzungsprophylaxe und Sporttherapie nach Verletzungen.“

In welcher Phase haben sich die Spielerinnen vor dem Saisonabbruch gerade befunden?

Döring: „Bis zum plötzlichen Saisonabbruch waren wir mitten in der Wettkampfperiode mit den Hauptinhalten Schnell- und Explosivkraft sowie Stabilisierung. Aufgrund der hohen Spieldichte von mindestens zwei Spielen pro Woche plus Reise, ging es hier allerdings eher um den Erhalt der Leistung und der Verletzungsprophylaxe. Wobei das letzte Spiel der Rückrunde gegen ALLIANZ MTV Stuttgart die höchste Priorität in der Periodisierung hatte. Danach wäre ein kurzer Aufbaublock der Maximalkraft gefolgt, für die Vorbereitung der Playoffs. Allerdings sah das das Virus leider anders.“

Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen und inwiefern hat sich ihr Berufsalltag verändert?

Döring: „Die Nachricht ereilte uns am Donnerstag beim Abendtraining. Die Mädels waren voll motiviert gegen Stuttgart und haben sehr gut trainiert. Deswegen platzte die Nachricht über den Abbruch der Liga herein wie eine Bombe. Alle waren geschockt und sehr traurig. Keiner wusste erstmal wie es weitergehen sollte.

Für uns als Trainer war es natürlich auch ein Schock. Die ganze Arbeit der letzten Monate war umsonst. Aber angesichts der jetzigen Lage gibt es viel Schlimmeres und wir können froh sein, dass alle gesund sind. Unser Trainingsbetrieb wurde sofort eingestellt und ich habe Resturlaub bzw. Überstunden abzubauen. Die Hallen sind alle geschlossen. Es ging quasi von 100 auf 0.“

Im CEV Cup könnte es für Ihre Mannschaft ja noch weitergehen. Wie halten Sie die Spielerinnen in dieser Situation jetzt fit?

Döring: „Da wir noch nicht absehen können, wann die nächsten Spiele stattfinden und wie es genau weitergeht, haben alle Athleten Heimpläne bekommen, um sich körperlich fit zu halten. Wir befinden uns also in einer klassischen Übergangsperiode mit den Hauptinhalten Kraftausdauer und Stabilisationstraining. Die Pläne wurden so erstellt, dass jeder zuhause etwas machen kann, aber auch draußen auf der Wiese oder im Wald. Jetzt haben wir vielleicht endlich einmal Zeit, an den Grundlagen zu arbeiten, die in der langen Wettkampfperiode mit Bundesliga und Nationalmannschaft in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen sind.

Ab Mitte Ende April, wenn sich die Lage hoffentlich wieder etwas verbessert hat, können wir dann mit einer klassischen Vorbereitungsperiode starten, mit mehr Fokus auf Muskelaufbau und spezifische Übungen. Abhängig natürlich, inwieweit wir die Krafträume wieder nutzen können.“

Welche Grundlagen kommen meist zu kurz?

Döring: „Die von vielen Volleyballern ungeliebten Ausdauereinheiten. Aber auch ein ordentlicher Kraftblock, der mehr als zwei Wochen andauert.“

Wie sehen die Trainingseinheiten bei den SSC-Profis daheim aus?

Döring: „Ganz wichtig ist frische Luft! 30-45min locker laufend oder auf dem Fahrrad reichen bereits aus. Wer aktive Familienmitglieder hat, kann dies auch zu zweit in Form eines Run & Bike machen, wo man sich mit dem Laufen und Radfahren gegenseitig abwechselt. Zusätzlich absolvieren die Spielerinnen Intervalle und Elemente aus dem Lauf- und Sprung-ABC. Cross-Fit oder auch Tabata-Sessions, wo der Puls in kurzer Zeit ordentlich nach oben getrieben wird, sind ebenfalls beliebt.“

Und wie oft schwitzen ihre Spielerinnen aktuell pro Woche?

Döhring: „Es sollte schon alle zwei Tage trainiert werden, so dass man insgesamt auf drei bis vier Trainingstage pro Woche kommt.“

Wie kontrollieren Sie das Training aus der Ferne?

Döhring: „Alle Athleten sind Zuhause, das macht natürlich ein Monitoring schwierig. In dieser Phase kontrollieren wir das Training eigentlich nicht. Die Athleten sind professionell genug und können auch einmal ein paar Wochen allein trainieren, schließlich ist ihr Körper ihr Kapital und das wollen sie ja pflegen. Viele haben aber schon nach zwei freien Tagen nach Plänen gefragt. Die sportlichen Inhalte sind im Moment recht allgemein. Wenn wir dann wieder spezifischer trainieren müssen, steht ein kontrolliertes Training mehr im Fokus. Das hängt jetzt aber erstmal ab, wann die nächsten Spiele sind. Daraufhin können wir eine genauere Periodisierung planen. Aber dafür ist es bis jetzt noch zu früh.“

Haben Sie abschließend noch einen guten Ratschlag für alle Amateurvolleyballer in der aktuellen Situation?

Döring: „Gerade wenn man viele Spiele in den letzten Monaten hatte, sollte man kein schlechtes Gewissen haben, seinen Körper zu regenerieren. Nach einer Pause gilt es wieder langsam einzusteigen. Hier kann man sich an etwas Neuem probieren, zum Beispiel Yoga. Ansonsten ist Bewegung draußen an der frischen Luft gerade das Beste für Körper und Geist.“

 

veröffentlicht am Dienstag, 31. März 2020 um 12:58; erstellt von Glöde, Yvonne
letzte Änderung: 24.03.20 17:34