VOLLEYBALL BUNDESLIGA

Hausgemacht – mithilfe eines Slowenen

CV Mitteldeutschland vs. TuB Bocholt, 05.10.19, 2. BLNM
Die Annahme muss stehen!
Foto: LEss

Die Stimmung im Lager des Volleyball-Zweitligisten TuB Bocholt könnte derzeit besser nicht sein. Nach drei Spielen grüßt die Mannschaft des neuen Trainers Sebastian Lyczko von der Tabellenspitze. Und das, obwohl fast ausschließlich Akteure auf dem Feld stehen, die bei TuB Bocholt ausgebildet wurden, während die Gegner ihre Teams überwiegend zusammenkaufen. „Das ist wohl einmalig im Volleyball in Deutschland“, sagt Teammanager Sven Böhme vor dem Spiel am Samstagabend bei CV Mitteldeutschland.

Lyczko sieht für das bislang gute Abschneiden mit überwiegend eigenen Akteuren gleich mehrere Gründe. „Zum einen ist da die gute Ausbildung. Hinzu kommt aber auch, dass die Gruppe sehr gut zusammenhält. Jeder versteht sich mit jedem. Das ist sehr wichtig“, so Lyczko. Auch der Tatsache, dass die TuB-Volleyballer im Sommer beachen, während die Gegner in der Halle trainieren, misst er große Bedeutung zu. „In Sachen Kondition und Technik ist das sehr gut. So entwickeln sich die Jungs weiter“, so der Coach. Besonders bei den beiden Mittelblockern Alexander Möllers und Jonas Kubo, der bislang überwiegend auf der Diagonalposition zum Einsatz kam, war zuletzt eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Umso bitterer ist es, dass Möllers nun angeschlagen ist und ebenso wie Lukas Essing am Samstag gegen Mitteldeutschland auszufallen droht. „Der Gegner ist dreimal Meister in der Dritten Liga geworden, hat nach einem Trainerwechsel aber bislang noch nicht so gut in die Saison gefunden. Die ersten beiden Heimspiele gingen verloren. Wir hoffen natürlich, dass das am Samstag so bleibt“, sagt Lyczko.

Nach dem Ausfall von Neuzugang Daniel Wernitz, der im ersten Saisonspiel einen Kreuzbandriss erlitt, war Ziga Zupanc zuletzt in Berlin der einzige TuB-Akteur auf dem Feld, der nicht schon in der Jugend für Bocholt spielte. „Er ist für uns sehr wichtig, weil er Dinge auf dem Feld sieht, die es zu verändern gilt. Er ist sehr hilfreich und nimmt manchmal schon fast meine Rolle ein“, sagt Lyczko über den 31 Jahre alten Außenangreifer, der 2016 ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland kam, um sich hier eine Zukunft aufzubauen. Nun beherrscht er die Sprache und absolviert eine Ausbildung zum Industrie-Mechatroniker.

Aufgewachsen ist Zupanc in einem kleinen Dorf nahe Celje, der drittgrößten Stadt Sloweniens. Mit 19 Jahren spielte er bei slowenischen Erstligisten, mit 23 wechselte er ins Ausland, um seinen Traum als Volleyball-Profi zu leben. Er tourte durch mehrere europäische Länder, ehe er Mitte 2016 nach zu den Solingen Volleys kam. Die waren damals gerade in die Erste Bundesliga aufgestiegen. Er hat mittlerweile viele deutsche Freunde und auch beruflich seinen Weg gefunden: Zunächst arbeitete er als Küchenhilfe in einem kroatischen Restaurant, weil er Kroatisch beherrscht. Dann verdiente er sein Geld bei einem Autoteilehersteller.

Da musste der Volleyballsport zwangsläufig etwas zurückstecken. Von daher passte es, dass er mit den Volleys zuletzt nur noch in der Dritten Liga spielte. Doch als Sven Böhme vor dieser Saison erneut um Zupancs Dienste warb, gab er schließlich seine Zusage. Schließlich liebt der 31-Jährige den Volleyballsport, mit dem er mit zehn Jahren begann. Wie sein drei Jahre älterer Bruder Rudi hat er in der slowenischen Junioren-Nationalmannschaft gespielt. Als Profi war er in der Ersten Liga in Slowenien, Belgien, Rumänien, dem Libanon und Deutschland im Einsatz. Nun möchte er beim Spiel in Mitteldeutschland den ersten Tabellenplatz mit TuB Bocholt verteidigen.

veröffentlicht am Freitag, 4. Oktober 2019 um 22:20; erstellt von TuB Bocholt 1907 e.V.