Ausfahrt zum Finale knapp verpasst

BERLIN RECYCLING Volleys vs. United Volleys Rhein-Main, 20.04.17, 1. BLMPO
Christian Dünnes glänzte im letzten Spiel seiner Karriere noch einmal mit 30 Punkten.
Foto: Heinz Mösinger

„Mit dem Erfolg steigen eben die Wünsche und Hoffnungen. Deshalb können wir stolz darauf sein, wie traurig uns solch eine Niederlage macht. Denn daran sieht man, wie weit wir schon gekommen sind.“ Diese Worte sprach am späten Samstagabend ein sichtlich erschöpfter United Volleys-Cheftrainer Michael Warm, der im entscheidenden dritten Playoff-Halbfinalspiel beim Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys wie seine Spieler von der ersten bis zur letzten der 134 Minuten alles gegeben hatte.  Unmittelbar nach dem dramatischen 2:3 (23:25, 28:30, 25:19, 26:24, 10:15) in der mit knapp 3.700 begeisterten Fans gefüllten Max-Schmeling-Halle überwog auf Seiten des Rhein-Main-Teams noch die Enttäuschung. Der Grund: „Wir haben in den ersten beiden Sätzen eine Riesenchance liegenlassen.“

Tatsächlich machten Warms Uniteds in der Hauptstadt zunächst genau da weiter, wo sie am Ostersonntag beim umjubelten Heimsieg in der Fraport Arena aufgehört hatten: auf der Überholspur. Mit gnadenlos guten Aufschlägen, unermüdlicher Abwehrarbeit und mehreren Monsterblocks erspielten sie sich eine 18:12-Führung, schienen die Gastgeber zeitweise konsterniert auf dem Standstreifen zurücklassen zu wollen. Anders als bei der vorangegangenen Begegnung waren es diesmal aber die Berliner, die den Spieß umdrehten und nach dem Zuspielerwechsel Kühner für Zhukouski sowie einigen Abstimmungsproblemen bei den Hessen zum 21:21 ausglichen. Nach mehreren Aus-Bällen und einem Netzaufschlag von Kapitän Christian Dünnes hieß es 25:23 für die BR Volleys.

Warm lobt „tolle Moral“ der „Comeback Kids“

Damit war die erste Chance vertan, den Druck auf den Titelverteidiger weiter zu erhöhen. Das hielt die Gäste allerdings nicht davon ab, ihren namhaften Gegnern das Leben schwer zu machen. Durchgang zwei blieb lange offen, einen ersten Satzball für Berlin wehrten die Uniteds durch Dünnes ab und hatten anschließend gleich vier Mal selbst die Gelegenheit, den 1:1-Ausgleich zu erzielen. Auch hier war ihnen wieder kein Erfolg beschieden. Mit einem Block gegen den ansonsten erneut überragenden Slowenen Jan Klobucar machten die BR Volleys das 30:28. „Wenn stattdessen wir die zwei Sätze holen, dann muss man erst mal sehen, wie das Match weiterläuft. Die besondere Belastung und Nervosität, die so ein Entscheidungsspiel mit sich bringt, war beiden Mannschaften eindeutig anzumerken“, zeigte sich Michael Warm überzeugt. Stattdessen mussten seine Männer weiter tun, was sie schon den ganzen Abend erfolgreich praktiziert hatten: um jeden Ball kämpfen und die Hoffnung nicht aufgeben.

„Wir haben von Anfang bis Ende eine tolle Moral gezeigt“, lobte der Trainer. Wie sein Team nach dem unglücklichen 0:2 zurückkam, war in der Tat grandios. Der künftige DVV-Sportdirektor Dünnes packte noch einmal sein ganzes Angriffsrepertoire aus, dazu war es immer wieder „Charmeoffensive“ Klobucar, der über Außen, aus dem Hinterfeld oder mit dem Aufschlag punktete. Auch der für Youngster Tobias Krick eingewechselte Wahlberliner Georg Escher konnte sich mit krachenden Blocks und gefährlichen Angaben auszeichnen, so dass das 25:19 vergleichsweise unangefochten eingetütet wurde. Satz vier schien zunächst der unspektakulärste zu werden. Eine frühe Führung wurde von den Hausherren bis zum Stand von 16:12 erfolgreich verwaltet, bevor Christian Dünnes und seine „Comeback“ Kids wieder zuschlugen und zum 22:22 egalisierten.

Ordentlicher Anteil an spannender Playoff-Serie

Ein abgewehrter Matchball, eine überraschenden Aufschlagvariante von Moritz Reichert, die den sonst so gut wie fehlerlosen BR Volleys-Libero Luke Perry irritierte, ein Angriff von Berlins Ex-Nationalspieler Robert Kromm ins Netz – Und plötzlich stand es 2:2. Im Tiebreak wollte Fortuna den United Volleys dann allerdings nicht mehr hold sein. Einen Fünf-Punkte-Rückstand konnten sie dank des konstant abliefernden Klobucar zwar noch einmal auf zwei Zähler reduzieren, am Ende war es jedoch Robert Kromm, der Moritz Reichert zum 10:15 abblockte. „Morgen können wir Bilanz ziehen und sehr stolz auf alles sein, was wir erreicht haben“, kündigte Michael Warm an. „Heute ist das natürlich schwer, weil wir es nicht geschafft haben, die greifbar nahe Sensation perfekt zu machen.“

Neben Standing Ovations der Zuschauer für beide Mannschaften und einer weiteren Bronzemedaille nahmen die United Volleys die Gewissheit mit nach Hause: Wenn die diesjährigen Playoffs, deren Finale zwischen den „alten Bekannten“ Berlin und Friedrichshafen nun ebenfalls in maximal drei Begegnungen entschieden wird, dennoch schon jetzt als besonders spannend und dramatisch gelobt werden, dann haben die „jungen Wilden“ aus dem Rhein-Main-Gebiet daran einen ordentlichen Anteil.

 

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veröffentlicht am Freitag, 21. April 2017 um 03:51; erstellt von TG 1862 e.V. Rüsselsheim
letzte Änderung: 21.04.17 08:25