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Kein Favorit, aber viele Ambitionen: Die 2. Bundesliga Frauen Süd steht in den Startlöchern

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Diese Ausgangslage macht Lust auf mehr: Der Meister ist weg, neue und alte Gesichter kommen hinzu und die Gemengelage hinsichtlich des Favoritenstatus ist vielschichtig. Die neue Saison der 2. Bundesliga Frauen Süd sucht ab dem 19. September ihren neuen Meister, nachdem der SV Lohhof in die Sparda 2. Liga Pro aufgestiegen ist. Dahinter wurde der TV SUSPA Altdorf in der Vorsaison Vizemeister, gefolgt von der TG Bad Soden. Nun beginnt die Suche nach einem neuen Titelträger.

Zum Auftakt wartet direkt ein intensives Programm. Am Samstag ab 18 Uhr muss der TV SUSPA Altdorf bei den Roten Raben Vilsbiburg II beweisen, dass der Vizemeistertitel kein Zufall war. Der VC Wiesbaden II trifft auf den TV Dingolfing und der SV Karlsruhe-Beiertheim bekommt es mit Aufsteiger SG Erfurt electronic zu tun. Am Sonntag folgt direkt zum Auftakt das Saarland-Derby der proWIN Volleys TV Holz gegen den SSC Freisen. Zudem empfängt der Sparda BSP Stuttgart Erfurt.

Gerade in Altdorf dürfte der erste Auftritt mit Spannung erwartet werden. Der Vizemeister der Vorsaison wird von gleich mehreren Konkurrenten als Titelkandidat genannt. Gleichzeitig kommt mit Dingolfing ein Team zurück, das zuletzt in der Sparda 2. Liga Pro aufgeschlagen hat. Die Pink Crew München – bislang DJK SB München-Ost – geht zudem mit neuem Namen und großen Ambitionen in die Saison. Vilsbiburg II kehrt als Aufsteiger zurück. Und mit Erfurt steht ein echter Neuling vor seiner ersten Spielzeit in der 2. Bundesliga Frauen Süd, die gleich mit einem Doppelspieltag beginnt. So geht Standortbestimmung.
 

Ein ganzer Favoritenkreis statt einer eindeutigen Nummer eins

Wer die Nachfolge des SV Lohhof antreten kann, darüber gehen die Einschätzungen der Teams auseinander. Einigkeit herrscht vor allem darin, dass es keinen Selbstläufer geben wird. Häufiger als andere fällt der Name des TV SUSPA Altdorf. Die Mannschaft wurde bereits im vergangenen Jahr Vizemeister und setzt auf Kontinuität. Cheftrainerin Christy Swagerty sieht gerade darin eine wichtige Grundlage: Das Team habe gelernt, „dass eine Mannschaft auch individuelle Höhen und Tiefen auffangen und insgesamt erfolgreich sein kann, wenn sie in ihrer gesamten Breite entwickelt wird.“ Als realistisches Ziel nennt Altdorf einen Platz unter den Top vier.

Auch der TV Dingolfing wird von vielen Teams im Favoritenkreis gesehen. Als Absteiger aus der Sparda 2. Liga Pro bringen die „Dingos“ Erfahrung und Qualität mit. „Auf dem Papier ist der TV Dingolfing der Favorit“, sagt Matthias Lutz, General Manager der Pink Crew München. Gleichzeitig sieht er Altdorf und den TSV Unterhaching ganz vorne. Auch die Roten Raben Vilsbiburg II möchte er als Aufsteiger nicht unterschätzen.

TSV-Trainer Tobias Adamek sieht die Münchnerinnen sogar besonders stark aufgestellt und verweist auf die Verpflichtung von Jonna Lieb sowie die Tiefe des Kaders. Altdorf nennt er ebenfalls als Kandidaten für die Meisterschaft. Auch Wiesbadens Trainerin Michala Frank tippt auf die Pink Crew, die sie auf allen Positionen stark besetzt sieht. Andere Stimmen bleiben bewusst vorsichtiger. Teammanager Johannes Koch vom Sparda BSP Stuttgart erwartet eine „ausgeglichene Liga mit mehreren starken Mannschaften.“ Auch Erfurt und der SSC Freisen wollen sich nicht auf einen einzelnen Favoriten festlegen.


Vizemeister TV SUSPA Altdorf ging bereits in der Saisonvorbereitung in den Schlagabtausch mit Aufsteiger SG Erfurt electronic.
(Foto: Stephan Lehmphul) 

Neue Gesichter und neue Rollen

Der Sommer hat in der Süd-Staffel einige Veränderungen gebracht. Liga-Neuling Erfurt geht mit einem neuen Trainer und mehreren neuen Spielerinnen in die Saison. Daniel Scholz hat die Mannschaft bereits an einigen Spieltagen der vergangenen Saison begleitet und übernimmt nun dauerhaft. Verstärkt wurde das Team vor allem im Außenangriff und im Mittelblock.  „Unsere Neuzugänge bringen langjährige Volleyballerfahrung mit. Besonders freuen wir uns, mit Mia Stauß eine erfahrene Spielerin aus der 1. Liga für unser Team gewonnen zu haben“, erklärt Mittelblockerin Emmi Wolfschmidt.

In Wiesbaden hat sich das ohnehin schon junge Nachwuchsteam noch einmal verjüngt. Beim TV Dingolfing bleibt der Kern der Mannschaft erhalten. Gleichzeitig wurden weitere junge Spielerinnen eingebaut und zwei internationale Kräfte aus den USA verpflichtet. Damit verbindet der Absteiger Erfahrung mit frischen Impulsen.

Größer fällt der Umbruch beispielsweise beim SV Karlsruhe-Beiertheim aus. Mehrere langjährige Spielerinnen haben den Verein verlassen, dafür wurden junge Talente integriert. Auch beim Sparda BSP Stuttgart wird die Mannschaft deutlich jünger. Viele erfahrene Spielerinnen sind gegangen, zahlreiche junge Spielerinnen rücken nach. „Für viele von uns sind das Team, die Liga und das Niveau neu“, beschreibt Koch die Ausgangslage.

Auch die TG Bad Soden steht vor einem Neustart. „Ziemlich genau alles hat sich geändert. Wir haben mit neun Abgängen plus Co-Trainer eine riesige Lücke zu füllen, da zum Teil auch sehr erfahrene Spielerinnen und Stützen der Mannschaft gegangen sind. Zu verzeichnen haben wir fünf Zugänge sowie einen Co- und Athletiktrainer. Mit dabei ist wieder eine Spielerin aus der eigenen Jugend“, berichtet Mittelblockerin Pamela Blazek.

Beim SSC Freisen war der Umbruch vor allem im Mittelblock notwendig. Nach den Karriereenden von Krystsina Bustamante-Lapko und dem berufsbedingten Wegzug der U17-Weltmeisterin Kaya Young wurden mit Ashly Nevrla und Erika Takamyia zwei neue Mittelblockerinnen verpflichtet. Auch auf der Liberaposition gibt es mit Celeste Friesen ein neues Gesicht. Gleichzeitig bleibt viel Erfahrung erhalten: Leonie Dewes und Kapitänin Doreen Werth führen eine Mannschaft an, die Cheftrainerin Brigitte Schumacher in ihre mittlerweile 42. Saison als Trainerin begleitet.


Leonie Dewes zieht auch in der Saison 2026/27 die Fäden auf dem Feld beim SSC Freisen. (Foto: Nico Rosenhauer)

Was aus der vergangenen Saison bleibt

Die neue Spielzeit beginnt nicht bei null. Jede Mannschaft nimmt Erfahrungen aus der vergangenen Saison mit. Für die Black Forest Volleys Offenburg lautet die Lehre schlicht: „Von Beginn an Vollgas“, so Teammanagerin Richarda Roth, um einen guten Start nicht zu verpassen. In Bad Soden ist die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit im Team noch einmal in den Mittelpunkt gerückt, denn erst auf dem Feld zeigt sich, wie gut die einzelnen Zahnräder wirklich ineinandergreifen. „Teamwork makes the dream work. Wenn man als Team zusammenarbeitet, kann man wirklich viel erreichen“, bringt es Pamela Blazek auf den Punkt.

Unterhaching hat aus der vergangenen Saison Selbstvertrauen mitgenommen. „Wir sind als Team in der Lage jeden Gegner in der Liga zu schlagen“, sagt Trainer Tobias Adamek. Gleichzeitig weiß die Mannschaft, dass dafür von jeder Einzelnen maximaler Einsatz nötig sein wird.

Bei der Pink Crew München richtet sich der Blick vor allem auf die engen Spiele. Cheftrainer Alexander Hezareh erklärt: „Wenn wir die Sätze, die wir mit zwei, drei Punkten Rückstand abgegeben haben, auf unsere Seite ziehen, sprechen wir über eine andere Tabellenregion. Die wichtigste Lehre daraus ist keine taktische, sondern eine mentale: Wir müssen in genau den Phasen, in denen ein Spiel kippt, ruhiger und klarer werden.“

Eine besondere Erkenntnis aus der vergangenen Spielzeit nimmt Vilsbiburg II mit: „Wir haben gelernt, dass man auch als jüngere Mannschaft mit viel Mut und Engagement viel erreichen kann und niemals aufgeben sollte“, sagt Yvonne Zymara, Geschäftsführerin der Volleyball Akademie der Roten Raben. Und beim TV Holz wurde eine sehr konkrete Lehre gezogen. „Es braucht mindestens einen 12er Kader, um eine komplette Saison zu bestreiten“, sagt Headcoach Hans-Jörg Kersten. Ausfälle seien ansonsten kaum zu kompensieren.
 

Von Hasenohren bis Glitter: Die Rituale der Liga

So unterschiedlich die sportlichen Ausgangslagen sind, so vielfältig sind die Rituale der Teams. Bei den Black Forest Volleys Offenburg wird vor jedem Spiel der Kreis geschlossen. „For the love of the game“ wird dreimal gerufen, jede Runde etwas lauter. Beim TSV Unterhaching gehört der Kabinentanz fest zum Spieltag. Dazu tragen die Spielerinnen mit Stolz ihre Hasen-Ohren-Haargummis. Beim TV Holz darf es glitzern: „Ganz viel Glitter in die Haare“, antwortet Kapitänin Gina Lehnen auf die Frage nach den Traditionen.


Kabinentanz und Jubel auf dem Feld: Der TSV Unterhaching möchte auch in der neuen Spielzeit mit Team-Zusammenhalt punkten.
(Foto: Claude Weyert)

Die Rote Raben Vilsbiburg II haben ebenfalls individuelle Rituale. Ob der immer gleiche Haargummi oder eine festgelegte Reihenfolge beim Anziehen von Schuhen, Socken und Knieschonern. Jede Spielerin hat ihre eigenen Abläufe. Für das gesamte Team gehört dagegen die richtige Musik zur Fahrt in die Halle und zum Aufwärmen dazu. Beim VC Wiesbaden II sind es die kleinen Gesten, die verbinden. Cheftrainerin Michala Frank sagt: „High fives und Abklatschen vor und nach dem Training. Das ist uns wichtig.“

Der SSC Freisen setzt auf Gemeinschaft schon auf der Anreise. Auswärts geht es grundsätzlich im komfortablen Reisebus auf die Fahrt, im hinteren Bereich hat jede Spielerin zwei Sitze. Dazu gibt es ein gemeinsames Buffet. Essen, entspannen und gemeinsam unterwegs sein, Team Building beginnt in Freisen also schon lange vor dem ersten Ballwechsel.


Dreizehn Teams, dreizehn Charaktere

Eine Liga lebt nicht nur vom Sport allein, sie ist das Resultat derer, die sie mit Leben füllen. In Karlsruhe-Beiertheim betont Außenangreiferin Vanessa Petri dabei den leidenschaftlichen Charakter des Teams: „Wir sehen uns als Underdog, der sich durch Kampfgeist und Einsatz auszeichnet und jederzeit für eine Überraschung gut ist.“ In Stuttgart steht „Genki“ für das eigene Selbstverständnis. Das japanische Wort für Energie passt zu einer jungen, ehrgeizigen und kommunikativen Mannschaft, die füreinander kämpfen und dabei den Spaß nicht verlieren möchte.

Annemarie Böhm, Teammanagerin in Altdorf, zieht tierische Vergleiche: „Ganz klar, wir sind ein Löwe beziehungsweise ein Löwenrudel. Wir sind stark, kümmern uns umeinander und wissen, dass wir als Rudel stärker sind als jede Einzelne für sich.“ Dingolfing beschreibt sich mit drei Worten: jung, ehrgeizig, familiär. Die Mannschaft vom TV Holz versteht sich indes als kämpferische Einheit, die insbesondere vor heimischer Kulisse überzeugen möchte. Bei der TG Bad Soden steht #playasone auf den Trikots und damit auch die zentrale Botschaft: gemeinsam auftreten, gemeinsam kämpfen.

Mit einer klaren Ansage geht die SG Erfurt electronic in ihre Premierensaison: „Es gibt nur ein Gas – und das ist Vollgas!“ Die Aufsteigerinnen wollen die neue Herausforderung mit Energie und Vorfreude angehen. Der TSV Unterhaching bleibt seinem Motto aus der vergangenen Spielzeit treu: „Crushing balls, breaking fingers“. Kurz übersetzt: Der TSV will schnellen, offensiven und spektakulären Volleyball spielen. Gleichzeitig soll die eigene Jugend noch stärker integriert werden. Eine weitere Spielerin aus dem Nachwuchs wird fest in den Kader aufgenommen.

Ein neuer Charakter ist in München entstanden. Aus der DJK SB München-Ost wird die Pink Crew. Der Name soll mehr sein als ein neues Etikett. Matthias Lutz, General Manager, erklärt: „Wir wollen ein Aushängeschild für den Frauenvolleyball in München sein – ein Team, das man in der Stadt kennt, dem man zuschaut und mit dem man sich identifiziert. Deshalb schlagen wir ab sofort unter diesem Namen auf und wollen die Pink Crew Schritt für Schritt als die Münchner Frauenvolleyball-Mannschaft etablieren.“


Für den TV Dingolfing ist die obere Tabellenhälfte das klare Saisonziel. (Foto: Armin Kerscher)
 

Zwischen Klassenerhalt und Angriff auf die Spitze

Neue Saison heißt auch immer, sich neu orientieren. Für Aufsteiger Erfurt geht es zunächst darum, in der neuen Liga anzukommen. „Uns ist bewusst, dass Aufsteigerinnen in einer neuen Liga häufig vor großen Herausforderungen stehen. Daher erwarten wir eine intensive Saison, in der wir uns jeden Punkt hart erarbeiten müssen“, sagt Emmi Wolfschmidt. Ähnliche Worte kommen von Richarda Roth von den Black Forest Volleys Offenburg: „Wir wollen uns sportlich etablieren. Und dann natürlich gerne eher nach oben als nach unten schauen. Erstes Ziel bleibt aber weiterhin der Klassenerhalt. Und dann aus einer komfortablen Situation schauen, was geht.“

Die Rote Raben Vilsbiburg II formulieren einerseits den Klassenerhalt als Ziel. „Über jede Partie, in der es uns gelingt, auch favorisierte Mannschaften zu überraschen und zu ärgern, würden wir uns natürlich besonders freuen“, gibt Yvonne Zymara andererseits aber zu.

Die letzte Saison ist beim SSC Freisen die Benchmark: „Für den SSC Freisen wird es in erster Linie darum gehen, einen guten Saisonstart hinzulegen und sich schnellstmöglich vom Tabellenende in Richtung Mittelfeld zu bewegen. Der gute 6. Platz der Vorsaison soll hierbei als Richtschnur dienen“, erklärt Volker Dewes, PR-Verantwortlicher beim SSC.

Karlsruhe-Beiertheim möchte sich im sicheren Mittelfeld etablieren und konstant spielen, insgeheim aber möglichst viele Punkte sammeln und für Überraschungen sorgen. Stuttgart legt den Schwerpunkt auf Entwicklung, Erfahrung und mutigen Volleyball gegen etablierte Gegnerinnen.

Ganz andere Ambitionen haben die Teams aus der oberen Tabellenregion. Unterhaching möchte mindestens Platz fünf bestätigen und möglichst im oberen Drittel dabei sein. Beim TV Dingolfing sieht Vereinsvorstand Toni Kiebler die „Dingos“ nicht als Underdog. „Als Absteiger wollen wir in der vorderen Hälfte mitspielen, vielleicht sogar im vorderen Drittel.“
Und Altdorf? Der Vizemeister möchte unter die Top vier. „Gleichzeitig möchten wir unser gesamtes Programm – vom Nachwuchs bis zur 2. Volleyball Bundesliga Frauen Süd – weiter stabilisieren und nachhaltig entwickeln. Unser Anspruch ist es, uns als tragende Säule der Liga zu etablieren und eine Vorbildfunktion einzunehmen, wie weibliche Führung, die Entwicklung von Trainerinnen und die Stärkung junger Frauen in Nordbayern erfolgreich gefördert werden können“, fasst Coach Swagerty zusammen.

Alles offen vor dem ersten Aufschlag

Die Voraussetzungen sind also unterschiedlich: Die Aufsteiger-Teams wollen sich beweisen, ein Absteiger will zurück nach oben, etablierte Teams wollen ihre Position verbessern, junge Mannschaften suchen Erfahrung und erfahrene Kader wollen ihre Konstanz unter Beweis stellen.

Und vielleicht passt eine Aussage von TV Holz-Geschäftsführer Nick Werner deshalb besonders gut zur Liga: „Wir schätzen kein Team mehr als das andere. Im Gesamten schätzen und respektieren wir alle Teams auf dem Feld und freuen uns auf Spiele auf Augenhöhe.“ Genau das dürfte die Süd-Staffel in den kommenden Monaten auszeichnen: Viele unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Ziele und zahlreiche Mannschaften, die sich gegenseitig etwas beweisen wollen. Und so beginnt sie, die Suche nach dem neuen Meister.

published on Thursday, September 17, 2026 at 5:41 PM; created by Holland, Christian
Last modification: 9/17/26, 5:04 PM