Mit einem 3:2-Sieg (27:25, 25:20, 23:25, 19:25, 13:15) haben sich die Blue Volleys Gotha am Sonntagabend den ersten alleinigen Meistertitel in der 2. Bundesliga Männer gesichert. Im hochdramatischen Rückspiel des Playoff-Finales gegen den FC Schüttorf 09 in der ausverkauften Schüttorfer Vechtehalle drehte das Team von Chefcoach Robert Werner einen 0:2-Satzrückstand. Der von Kapitän Christoph Aßmann entgegengenommene Meisterpokal geht im ersten Jahr der gemeinsamen Playoffs der 2. Bundesliga Männer somit in den Süden.
Gotha gewinnt beide Nord-Süd-Duelle im Tie-Break
Im ultimativen Showdown zwischen den beiden besten Teams aus der Nord- und der Südstaffel konnte sich Gotha im Hinspiel knapp mit 3:2 durchsetzen und reiste mit leichtem Vorteil zum FC Schüttorf 09, der aber die eigenen Fans im Rücken wusste. 1.211 Zuschauer:innen in der Schüttorfer Vechtehalle hätten sich kein spannenderes Finale im Duell um den ersten Gesamtmeistertitel in der 2. Bundesliga Männer wünschen können. Bereits bei der Begrüßung der Teams sorgten beide Fanlager für eine lautstarke Kulisse.
Schüttorf drehte eine frühe Gothaer Führung im ersten Satz und konnte den Durchgang in der Verlängerung für sich gewinnen. Selbstbewusst erspielte sich das Heimteam dann einen komfortablen Vorsprung in Satz zwei und brachte diesen ebenso souverän über die Ziellinie. Gotha konnte die frühe Entscheidung im dritten Durchgang verhindern, gewann in einer umkämpften Crunchtime und dominierte dann auch im vierten Satz. Im Tie-Break schenkten sich beide Teams nichts, aber wie auch im Hinspiel ging der Entscheidungssatz mit 13:15 an die Thüringer. MVP des Matches wurde der Gothaer Libero Len Spankowski.

Nach zwei echten Final-Krimis bejubeln die Blue Volleys Gotha die Gesamtmeisterschaft in der 2. Bundesliga Männer.
(Foto: Hinnerk Schröer)
Stimmen zum emotionalen Höhepunkt der Premieren-Playoffs
Nach dem Sieg über die TSV Giesen GRIZZLYS II im Viertelfinale und die Enervigo Volleys Dresden im Halbfinale gewannen die Blue Volleys Gotha nun das erste Endspiel um die Gesamtmeisterschaft in der 2. Bundesliga Männer. „Es waren zwei Partien auf Augenhöhe, es war ein klassischer Final-Fight. Es war sehr emotional das Spiel, von beiden Seiten – es hätte in beide Richtungen ausgehen können“, fasste Gothas Trainer Robert Werner die ausgeglichene Finalserie zusammen.
Für Schüttorfs Co-Trainer Torsten Schoen war der Meister in Aufschlag und Angriff um Nuancen besser: „Es waren die Kleinigkeiten. Im Block fehlte immer der halbe Schritt, sie haben uns einiges zwischen die Positionen gehauen. Sie haben im Endeffekt hintenraus mit Aufschlägen gewonnen, weil sie mit deutlich mehr Fokus und effektiver aufgeschlagen haben. Am Ende tut es weh, aber wir können trotzdem total stolz auf die Saison sein.“ Trotz der Niederlage blickt Schoen mit Begeisterung auf die Playoff-Premiere zurück:
„Das Format mit Nord gegen Süd über Viertelfinale, Halbfinale, Finale zu spielen finde ich sensationell - das macht Spaß, das ist gut.“
Ehrung der Zweitplatzierten und Krönung des Gesamtmeisters
Im Anschluss an das Spiel überreichten Jakob Lammering, Geschäftsführer und Inhaber der Arnold Lammering GmbH, gemeinsam mit VBL-Geschäftsführer Daniel Sattler die Silbermedaillen an den Vizemeister Schüttorf. Die Goldmedaillen an die Blue Volleys Gotha überreichten Daniel Sattler und Hans Heinrich Kerkhoff, der 1. Vorsitzende des FC Schüttorf 09. Zum krönenden Abschluss übergab Daniel Sattler den Meisterpokal an Gothas Kapitän Christoph Aßmann, der ihn unter lautem Jubel seines Teams und der vielen mitgereisten Fans in die Höhe reckte.

Die ausverkaufte Vechtehalle sah einen leidenschaftlichen Kampf des Vizemeisters Schüttorf 09.
(Foto: Hinnerk Schröer)
Ausführlicher Spielbericht
Erster Durchgang geht in die Verlängerung
Den ersten Wirkungstreffer landeten die Gäste: Gotha ging nach umkämpften Ballwechseln mit 3:8 in Front und zwang Schüttorfs Chefcoach Daniel Gorski direkt zur Auszeit. Die Aufholjagd des FC 09 versuchte der Gothaer Trainer Robert Werner zu unterbrechen, musste aber bei 15:15 bereits das zweite Time-Out nehmen. Es entwickelte sich ein hochklassiger Schlagabtausch mit druckvollen Aufschlägen und dem immer wieder wirkungsvollen Einsatz der Mitten auf beiden Seiten, sodass der erste Satz mit 21:21 in die Crunchtime ging. Der Schüttorfer Diagonalangreifer Felix Orthmann, der dem Durchgang mit variablen Angriffslösungen seinen Stempel aufdrückte, sicherte seinem Team den Satz mit 26:24.
Schüttorf bringt frühen Vorsprung ins Ziel
Der zweite Satz begann dann unter umgedrehten Vorzeichen: Schüttorf ging beflügelt in den Satz und direkt mit 4:0 in Führung. Nach einem Gothaer Zwischensprint stellte der Schüttorfer Service die Annahme der Thüringer immer wieder vor Probleme und ermöglichte dem Heimteam mehrere Overpass-Situationen und dadurch einen komfortablen Vorsprung (16:11). Gotha wurde sicherer und es entwickelte sich ein Side-Out-Duell, aber die Schüttorfer Führung hielt und nach dem 25:20-Satzgewinn fehlte dem Nord-Team noch ein Satz zum Titelgewinn.
Wechselstrategie bremst den Schüttorfer Lauf in Satz drei
Blue Volleys-Coach Robert Werner reagierte und brachte Daniel Mark Ridings und Richard Werner ins Spiel. Beide Mannschaften präsentierten sich in Durchgang drei hellwach und auf Augenhöhe (7:7). Im weiteren Verlauf prägten leidenschaftliche Feldabwehr auf beiden Seiten und lange Rallys das Match, ohne dass sich eine Mannschaft klar absetzen konnte. Sowohl Gotha als auch Schüttorf leisteten sich immer wieder leichte Fehler im Aufschlag und nach zwei Bällen vom Gothaer Block ins Aus stand es 15:15. Nach einem Block gegen Felix Orthmann setzte sich Gotha erstmals mit zwei Punkten ab (17:19), ging dadurch mit leichtem Vorteil in die Crunchtime und konnte mit 23:25 den ersten Satzgewinn verbuchen.
Durchgang vier: die Blue Volleys drehen das Spiel
In Durchgang vier hieß es nun Do-or-Die für die Blue Volleys: ein Satz bis zum Titel für Schüttorf oder ein Satz bis zum rettenden Tie-Break für Gotha. Zu Beginn setzte Schüttorfs Felix Orthmann mit zwei Blockpunkten direkt ein Ausrufezeichen. Nach einer starken Phase Gothas kamen die Niedersachsen wieder heran und Robert Werner griff beim 7:7 zum Time-Out. Sein Team erarbeitete sich dank cleverer Block-Touch-Punkte einen kleinen Vorsprung (12:15). Bei 15:20 reagierte Schüttorfs Coach Daniel Gorski mit dem Doppelwechsel auf der Zuspiel- und Diagonalposition, aber sein Team bekam die variablen Angriffe des Gegners nicht unter Kontrolle – nach dem 19:25 musste der Tie-Break die Entscheidung bringen.
Erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Tie-Break
Nun musste der FC 09 unbedingt gewinnen, um den entscheidenden Golden Set zu erzwingen. Auch im fünften Satz gingen beide Teams volles Risiko im Angriff und die lautstarken Fans sahen einen ausgeglichenen Tie-Break. Beim Seitenwechsel hatten die Hausherren einen leichten Vorteil (8:7) und beide Teams zeigten sich nun im Aufschlag nervös. Nach einer langen Rally stellte Mittelblocker Tim Wagner mit einem Angriff zum 11:12 für Gotha und leitete damit eine dramatische Crunchtime in einem ebenso dramatischen Spiel ein. Bei 12:14 hatten die Blue Volleys zwei Matchbälle zur Meisterschaft: Den ersten wehrte Schüttorf noch ab, doch den zweiten verwandelte Richard Werner über die Außenposition.
veröffentlicht am Sonntag, 3. Mai 2026 um 20:08; erstellt von Holland, Christian
letzte Änderung: 03.05.26, 20:52