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Hammelburg und die Tücken der Kaderplanung

TuS Kriftel vs. TV/DJK Hammelburg, 14.09.19, 2. BLSM
Der Kader der Hammelburg Volleys der Saison 2019/2010
Foto: Jens Feistel

Es war ein heißer Sommer bei den Hammelburg Volleys - hinter den Kulissen. Durch den Abgang der Ur-Hammelburger Felix Bendikowski, Henning Schulte und Lukas Spachmann waren die Verantwortlichen zum Komplettumbau des Kaders gezwungen. Der hatte große Tücken, die sogar das Projekt Zweite Bundesliga gefährdeten. Sagt Kaderplaner Oliver Wendt.

Der 42-jährige Hammelburger und Pressemann der Volleys spricht sogar vom "größten Umbruch aller Zeiten". Mit Bendikowski, Schulte und Spachmann hätten Leistungsträger und Identifikationsfiguren den Verein verlassen, die ihn von der Bezirks- in die Zweite Bundesliga geführt hatten. Das Team bestand plötzlich nur noch aus sieben Spielern.

Der Netzwerker fehlte

Und so stellten sich laut Wendt im Arbeitskreis Bundesliga bedeutende Fragen: "Wollen wir das Leuchtturmprojekt Zweite Bundesliga aufrechterhalten und alle Kraft dort hineinstecken? Sind wir in der Lage, gemeinsam mit unseren Sponsoren bis zum Ende der Saison einen höheren sechsstelligen Betrag aufzubringen, der den Bundesliga- und den weiteren Spielbetrieb der Damen und der Jugend finanziert? Müssen wir den Resetknopf drücken und in der Bezirksliga neu anfangen?"

Die Entscheidung fiel Pro Bundesliga aus. Eines der größten Probleme dabei: Für den Komplettumbau des Kaders fehlte laut Wendt ein Sportdirektor. Ein Netzwerker, der sein Smartphone aus der Tasche zieht und Spieler heranorganisiert.

Somit mussten die Volleys-Verantwortlichen die Spielerakquise in die eigenen Hände nehmen. Dabei bedienten sie sich natürlich des Netzwerkes von Neu-Trainer Cornel Closca. Erste Namen fielen; Spieler wurden kontaktiert. Aber auch Trainer von Erstligavereinen, Stützpunkttrainer und die verbliebenen eigenen Spieler wurden um Tipps gebeten. Außerdem meldeten sich auch Spieler und professionelle Spielervermittler beim Verein. Dazu bestand ein heißer Draht zu Marco Donat, dem Trainer der Volleyballer aus Eltmann.

Schmackhaftes Produkt

Den potenziellen Kandidaten wurde das "Produkt Volleys Hammelburg" schmackhaft gemacht: die tolle Stimmung in der Halle, die gute Infrastruktur vor Ort, die medizinische Versorgung.

Allerdings muss Oliver Wendt konstatieren: "Rückschläge gab es zuhauf." Es habe ehemalige Erstligaspieler gegeben, die dann doch aus unterschiedlichen Gründen dem Profitum entsagten. Einige hatten schon fest zugesagt oder zumindest große Hoffnungen auf eine Verpflichtung geschürt - um dann überraschend abzuspringen. "Bei drei Spielern mussten wir nach der überraschenden Absage quasi wieder von Null beginnen. Jeder Absage waren teilweise hunderte WhatsApp-Nachrichten, zahlreiche Telefongespräche oder auch Probetrainingsvorausgegangen."

Wendt spricht von "dieser gewissen Blauäugigkeit und Naivität, weil man Spielerakquise in einem semi-professionellen Umfeld vorher so noch nie betrieben hatte". Schnell sei die Erkenntnis gereift, dass es eben auch für die Spieler ein wirtschaftlicher Abwägungsprozess sei. Sie würden mit anderen Vereinen verhandeln und sich für die sportlich größte Herausforderung oder das persönlich beste berufliche Umfeld entscheiden. Obwohl viele das Hammelburger Gesamtpaket lobten.

Doch gerade der Standort Hammelburg erwies sich in den Verhandlungen als größter Nachteil, berichtet Wendt. "Wir befinden uns geografisch gesehen in der Provinz, haben nicht wie andere Zweitligisten, zum Beispiel Grafing, Mainz, Kriftel, Leipzig und Delitzsch die Großstadt um die Ecke, wo sich an den Unis oder bei anderen Vereinen talentierte Volleyballer tummeln." Da Volleyball in der Zweiten Liga immer noch Amateursport sei, verändert ein Spieler, der beruflich und familiär schon voll im Leben steht, seinen Lebensmittelpunkt nicht.

Es sei unglaublich schwer, solche Spieler nach Hammelburg zu locken. Keiner komme, weil er den Hallensprecher so toll finde, er medizinisch und sportlich top versorgt sei oder kostenlos zum Training gefahren werde.

Alternative für junge Spieler

"Einem Studenten ist der Studienort vielleicht noch ein stückweit egal, dem hilfst du bei der Wohnungssuche; das war's. Wenn du eine ganze Familie nach Hammelburg holst, wird es schon schwieriger: Wohnungsvermittlung, Umzug organisieren, Familie in Arbeit bringen, Ämtergänge." Zwischen Hobby-Volleyball in der 2. Liga und Profitum in Liga 1 bestehe ein riesiger Unterschied.

Trotz der Schwierigkeiten bei der Kaderplanung: Die Hammelburg Volleys sehen sich weiter als erste Alternative für junge, talentierte und ehrgeizige Spieler, die den Sprung in Liga 1 noch nicht schaffen oder nicht schaffen werden. Sie sollen die Chance bekommen, Zweitliga-Volleyball zu spielen und dabei einer Ausbildung nachzugehen oder zu studieren. Falls sie den Sprung in die Eliteliga nicht schaffen, könnten sie fester Bestandteil der 1. Mannschaft der Volleys werden. Zudem soll die Arbeit der Hammelburger Jugendakademie vorangetrieben werden, um mittelfristig wieder eigene Spieler für das Bundesliga-Team bieten zu können. Auch die Spieleracquise muss laut Wendt "personell deutlich breiter aufgestellt werden".

Auch wenn die Kaderplanung schwierig war: Die Volleys-Verantwortlichen sind überzeugt, "ein tolles Team zusammengestellt zu haben, von dem wir zu 100 Prozent überzeugt sind." Dennoch werde es wohl die bisher schwerste Saison.

Für Trainer Cornel Closca ist "die Mannschaft auf einem guten Weg. Die Jungs haben in puncto Athletik, Technik und Taktik fleißig gearbeitet. Wir haben sehr viele Testspiele absolviert, sodass sich die neue Mannschaft finden konnte, um sich gegen die vielen guten Teams durchsetzen. Wir gehen  ohne Angst in die Saison." 

veröffentlicht am Samstag, 14. September 2019 um 14:31; erstellt von Steffen Standke, TV/DJK Hammelburg
letzte Änderung: 14.09.19 14:30
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