Sebastian Becker forciert den Funkenflug

TV/DJK Hammelburg vs. SV Schwaig, 15.12.18, 2. BLSM
In seinem Element: Sebastian Becker sorgt bei Spielen für die passende musikalische Begleitung
Foto: Jens Feistel

Hammelburg hat das beste Publikum der 2. Bundesliga. Und das lauteste. An diesem Samstagabend wird die Phon-Stärke sicher wieder Maximalwerte erreichen, wenn zum Frankenderby der punktgleiche SV Schwaig (9./13) in die Saaletalhalle kommt, der aufgrund des minimal besseren Satzverhältnisses vor den Volleys aus der Saalestadt steht. Ein Sieg ist für beide Kombattanten Pflicht, um von oben auf die Abstiegszone blicken zu dürfen. Drei Spiele in Folge haben die Hammelburger verloren, sich aber nach der deutlichen Pleite in Mainz deutlich steigern können gegen Tabellenführer Grafing und zuletzt in Rüsselsheim, wo nur wegen Pech und jugendlicher Ungeduld Zählbares auf der Strecke geblieben war.

Gegen die Mittelfranken soll die Begeisterung wieder überspringen: von den Fans auf der Tribüne aufs Spielfeld und umgekehrt. Für den durchgehenden "Funkenflug" verantwortlich ist Sebastian Becker, der fürs Publikum quasi unsichtbar auf Höhe der Mittellinie seinen Arbeitsplatz bei Spieltagen hat. Seit drei Jahren heizt der 29-Jährige mit seinen Musikeinspielungen die Stimmung an, mit Hallensprecher Olly Wendt als kongenialen Partner. "Zu diesem Job bin ich eher wie die Jungfrau zum Kind gekommen, ohne großartige Erfahrung. Dann habe ich halt mal ein paar Tracks zusammengeschnitten", berichtet Sebastian Becker von den Anfängen. Selbst bevorzugt der in Mainz geborene und zum Teil in Nordrhein-Westfalen aufgewachsene Becker House und Hip-Hop, zeigt sich bei seiner Musikauswahl in der Halle aber extrem anpassungsfähig. "Das ist alles total gemischt, sodass ich für jede Situation passende Einspieler parat habe. Wichtig sind kräftige Bässe, damit die Leute mitmachen können. Die Lautstärke ist unten wie oben identisch, das haben wir vom Anlagenbauer so einstellen lassen." Eine gewisse Konzentration und ständiger Blickkontakt zum Schiedsrichter ist freilich auch vonnöten. "Ich muss immer sehen, was der macht und gegebenenfalls einen Track auch mal abbrechen. "

Mindestens eine Stunde vor Spielbeginn ist der Handelsfachwirt in der Halle, verlegt etwa 40 Meter Kabel und baut Mischpult und Laptop auf, was alles keine 20 Minuten dauert. "Das ganze Aufbau-Team ist extrem gut eingespielt, da greifen alle Rädchen ineinander", sagt der Jung-Unternehmer, der sich mit dem Modelabel "Benetory" samt Geschäftspartner selbstständig machen will. "Wir bieten biologisch und ökologisch faire Produkte an. Ein Teil des Gewinns wird gespendet und der Kunde entscheidet, an welches Projekt das Geld geht. Wir wollen einen positiven Fußabdruck in der Welt hinterlassen", sagt der Noch-Würzburger, der in Bälde zurück in die Hammelburger Ecke zu Freundin und Familie zieht.

Auf sogenannten Paletten, neun davon gibt es aktuell, befinden sich immer mindestens 40 Stücke, die wenige Sekunden dauern oder auch über mehrere Minuten gehen können. "Wir sind auf jede Situation vorbereitet. Bis auf einen Flitzer hatten wir wirklich schon alles. Wenn mal einer auftaucht, würde ich 'Du hast die Haare schön' spielen, das fände ich passend", grinst der 29-Jährige, selbst passabler Volleyballer. "In der achten Klasse habe ich mit Volleyball angefangen und ausschließlich für Hammelburg gespielt."

Ausgerechnet beim Gastspiel in Schwaig feierte Sebastian Becker zum Ende der Saison 2016/2017 seine Zweitliga-Premiere - und wurde nach dem 3:2-Erfolg prompt mit der Gold-MVP-Medaille ausgezeichnet. "Ich hatte drei Jahre nicht gespielt und vor diesem Match nur einmal trainiert. Unser damaliger Zuspieler Kasper Vuorinen hat mir, weil wir die selbe Schuhgröße hatten, später sogar seine Turnschuhe mit Unterschrift geschenkt, die habe ich heute noch", erinnert sich der Spieler im Ruhestand gerne an den Finnen. Die Entwicklung des Hammelburger Volleyballsports findet Becker fantastisch: "Samstagabend geht man zum Volleyball, das ist zu einer Institution geworden." Gegen den SV Schwaig wünscht sich der 29-Jährige eine Stimmung wie beim Sieg über Gotha, "weil die Leute von Anfang an gut dabei waren und wir unten gar nicht viel machen mussten. Da hatten Olly und ich richtig Spaß, das war gutes Volley-Tainment."

Die Lage: Die Ausgangssituation vor dem Spiel (Samstag, 20 Uhr) ist für beide Teams identisch: Hammelburg und Schwaig hängen tief im Tabellenkeller und möchten mit einem Erfolg verhindern, ausgerechnet über Weihnachten in den Krisenmodus schalten zu müssen. Dennoch kommen die Mittelfranken als Vizemeister nach Hammelburg, spielten in den letzten Jahren immer um die Meisterschaft mit und haben einen Kader, der im Kern zusammen geblieben ist. Somit wird erneut Schwaiger Routine auf jugendlichen Hammelburger Flair treffen.

Der Gegner: Die größte Veränderung bei Schwaig geschah auf der Mittelblockerposition: Während zwei erfahrene Hasen das Team verließen, konnte mit U18-Nationalspieler Jan Kolakowski und dem 40-jährigen Mittelblocker Christian Nowak aus Eltmann eine Mischung aus super jung und abgezockt-erfahren ins Team geholt werden. Da die Schwaiger große Zuschauerunterstützung durchaus gewohnt sind, wird es umso mehr darauf ankommen, die besinnliche Atmosphäre aus dem Hammelburger "Wohnzimmer" zu vertreiben.

veröffentlicht am Freitag, 14. Dezember 2018 um 16:09; erstellt von Jürgen Schmitt, TV/DJK Hammelburg
letzte Änderung: 14.12.18 16:09
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