Ergebnisse - VBL

Ergebnisarchiv | 1. Bundesliga Männer

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Volleyball mit Zukunftsperspektive im Kongo

TV Ingersoll Bühl
Volleyball Camp in Kinshasa (Foto: Magloire Mayaula)
Foto:

"Volleyball zu spielen, ist für mich ein langgehegter Traum", betont Magloire Nzeza Mayaula. Der 21-Jährige aus der Demokratischen Republik Kongo spielt seit der Bundesligasaison 2014/2015 für den Erstligisten TV Ingersoll Bühl - und dies äußerst erfolgreich,  wie seine wiederholten Auszeichnungen als "Bester Spieler" bei  verschiedensten Turnieren belegen.

Die Umsetzung seines Traums begann für Mayaula frühzeitig. Bereits mit 10 Jahren fing er an, in seiner Schule in Kinshasa - der kongolesischen Hauptstadt - Volleyball zu spielen. Der erste Verein, für den der 2,02 m große Hüne spielte, war zunächst ein kleiner, gänzlich unbekannter Club, der "Mwangaza"  hieß und in einem der vielen Stadtteile von Kinshasa war. "Mir machte es gleich von Beginn an großen Spaß. Aber ich hatte im entscheidenden Moment auch das nötige Quäntchen Glück, weil ich einem Trainer der kongolesischen Nationalmannschaft auffiel," erinnert er sich. Dieser förderte ihn. Allerdings sei die Situation im Volleyballsport in Zentralafrika eine ganz andere als in Deutschland, verdeutlicht Mayaula: "Meine Heimat ist ein vom Krieg sehr zerstörtes Land. Das merkt man einfach in allen Lebensbereichen, v.a. eben auch beim Sport. Bei uns gibt es viel weniger Spielstätten als in Deutschland  und die wenigen Sporthallen sind zumeist in einem schlechten Zustand; im ländlichem Bereich gibt es oft gar keine Sporthallen, so dass einfach draußen gespielt wird. Auch an grundlegendem Spielmaterial, wie z.B. geeigneten Bällen oder Netzen, mangelt es." Mittlerweile gäbe es zwar immer mehr Trainer, aber diese haben einfach nicht das hohe, professionelle Niveau, wie in Deutschland", erklärt er.

Insofern ist das Nachwuchstalent froh, dass er dem Bühler Headcoach Ruben Wolochin, der dafür bekannt ist, ein gutes Händchen bei der Entdeckung neuer junger Talente zu haben, aufgefallen ist. Dieser nahm 2010 bereits das erste Mal Notiz von Magloire Mayaula, als dieser für sein Heimatland an den "Boys Youth Olympic Games" in Singapur teilnahm. Mayaulas professionelle Laufbahn führte zunächst jedoch in den Maghreb. Dort spielte er mehrere Jahre für den algerischen Erstliga-Verein ES Sétif. Vier Jahre später konnte dann der Wechsel zum deutschen Volleyballerstligisten TV Ingersoll Bühl vollzogen werden, wo der afrikanische Hüne seitdem im Mittelblock spielt und aufgrund seiner überragenden Sprungkraft von bis zu 3,70 m den gegnerischen Angriff oft schwach aussehen lässt. Auch sein Trainer ist sichtlich zufrieden mit seinem Schützling: "Mayaula erfasst Spielsituationen sehr schnell und zeichnet sich durch eine intelligente Spielweise aus. Ich bin begeistert von seiner positiven Einstellung gegenüber unserem hohen Trainingsniveau in Bühl", so Ruben Wolochin. Dem jungen Mann aus Zentralafrika, der nun seit Oktober 2014 in Bühl wohnt und lebt,  gefällt es in der Zwetschgenstadt auch sehr gut, wie er freimütig bekundet. Der  junge Profivolleyballer wohnt nicht alleine, sondern mit mehreren Spielern aus seinem Team zusammen in einer WG in der Innenstadt und genießt die kurzen Wege und die vielen Vorzüge der Bühler Infrastruktur - Dinge, die in seiner vom jahrelangen Bürgerkrieg zerrütteten Heimat Kongo nicht selbstverständlich sind, wie er betont.

Auf die Frage, was ihm denn vergleichsweise in seinem Heimatland besser gefalle, muss er jedoch nicht lange überlegen: So findet der Kongolese den Zusammenhalt in den afrikanischen Großfamilien besser und ausgeprägter. "Allerdings wurde ich in Bühl sehr freundlich willkommen geheißen und ich habe schon viel Solidarität zu spüren bekommen", so Maya, wie er von seinen Teamkollegen genannt wird.

Die schlechte Ausgangslage in seinem Heimatland, das trotz seines Rohstoffreichtums aktuell zu den ärmsten Ländern der Welt zählt und im Entwicklungsindex der UNO seit Jahren immer auf einem der letzten Plätze landet, betrübt den jungen Kongolesen angesichts der eigenen, privilegierten Situation in Deutschland und treibt ihn immer wieder an, sich für seine Heimat zu engagieren.

Vor allem Kinder und deren Zukunft liegen ihm am Herzen - dies umso mehr, als der Kongo zu einem der bevölkerungsreichsten Länder der Welt gehört und den vielen kinderreichen Familien aufgrund der kriegsbedingten, sozial und wirtschaftlich schlechten Lage oft gar keine Perspektive geboten werden kann.  So hat der engagierte 21-Jährige zuletzt Anfang Mai ein Volleyballprojekt speziell für Kinder und Jugendliche in Kinshasa nicht nur initiiert, sondern auch vollständig organisiert und zum Teil mit eigenen Geldern finanziert. Insgesamt 25 Teilnehmern im Alter von 14-17 Jahren bot er die Möglichkeit für drei Tage an einem Volleyball-Camp teilzunehmen, und dort mit ausgebildeten Trainern mehrere Stunden professionell zu trainieren. "Es war überwältigend zu sehen, wie diese Jugendlichen in meinem Camp einfach mal  ihre vielen Alltagssorgen in ihrer vom Krieg so zerstörten Heimat eine Weile vergessen und sich nur auf das Volleyballspielen konzentrieren durften", freut sich Mayaula. Damit die jungen Nachwuchstalente, die aus ganz verschiedenen Teilen des flächenmäßig großen Kongos kamen, überhaupt die Möglichkeit hatten, nach Kinshasa zu reisen, übernahm Mayaula kurzerhand die Finanzierung ihres Transports. "Man muß sich das wirklich mal vor Augen führen…. manche der Kids haben mehrere Hundert Kilometer Anfahrt auf sich genommen, um bei meinem Camp mitmachen zu können,", freut sich Mayaula. In seinem Camp bot er seinen jungen Kollegen in spe jedoch nicht nur professionelles Training, sondern auch gesunde, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Ruhe- und Schlafzeiten - alles Dinge, die, wie er erklärt, für viele Kinder im Kongo jedoch alles andere als selbstverständlich sind.

 "Ich will diese Kinder ermuntern, an sich selbst zu glauben und ihre Träume zu realisieren. Sie sollen so wie ich die Chance erhalten, ihr Talent nutzen zu können und nicht schon an der schlechten Ausgangslage scheitern zu müssen.", erläutert der kongolesische Wahlbühler die Motive für sein Engagement. "Ich möchte von meinem Glück, das ich hier in Bühl ja selbst tagtäglich erfahren darf, einfach etwas zurückgeben."

Jungen Menschen eine Perspektive zu geben, ist auch das ganz langfristige Ziel von Mayaula. So will der sympathische Kongolese später auf jeden Fall in sein Heimatland zurückkehren. Dort möchte er dann gerne eine Sportschule für Volleyball gründen, um jungen Menschen, die sich für den professionellen Volleyballsport in Kongo interessieren, zu helfen. Mit seiner tatkräftigen Art ist es Magloire Mayaula auch schon gelungen, die Geschäftsleitung seines Vereins von seinem Engagement zu überzeugen. "Nach mehreren Gesprächen mit Magloire denken wir aktuell darüber nach, wie wir ihn bei Entwicklungsprojekten in seiner afrikanischen Heimat unterstützen können", so Luciano Lago, der stellvertretende Team-Manager der Bühler Bisons. Allons-y!

Interessierte Bühler Bürger, die Magloire Mayaula in seinem Engagement für den Volleyballsport in Afrika unterstützen möchten, können sich gerne an die Geschäftsstelle des TV Ingersoll wenden.

veröffentlicht am Mittwoch, 20. Mai 2015 um 18:07; erstellt von TV Bühl Volleyball
letzte Änderung: 21.05.15 09:59