Ein 0:3 das nicht wirklich weh tut

USC Münster vs. SSC Palmberg Schwerin, 18.02.18, 1. BLF
Die beiden besten Spielererinnen des Tages im direkten Netzduell: Lina Alsmeier und Louisa Lippmann.
Foto: Daniel Wesseling

Das war keine 0:3-Niederlage wegen der man sich grämen müsste: Zwar verpasste der USC Münster am Sonntag gegen Meister Schweriner SC einen Satzgewinn beim 24:26, 22:25 und 19:25, doch der Auftritt der vom Verletzungspech gebeutelten Westfälinnen konnte sich sehen lassen.
 
Dass man einer in den Sätzen so deutlichen Niederlage viele positive Aspekte abgewinnen kann ist überaus selten, aber – und so sahen es wohl auch die über 1500 Fans im Volleydome am Berg Fidel am Sonntagnachmittag, die ihr Team noch Minuten nach dem Matchball mit Ovationen bedachten – irgendwie fühlte sich das eben nicht ärgerlich oder ernüchternd an. Fast die gesamte Spielzeit lang zeigte der USC wirklich vorzüglichen Volleyball, und erst im dritten Set waren es nicht mehr nur Nuancen, die den Unterschied an diesem Tag ausmachten. Mit viel Spielwitz, mit Variabilität, mit Engagement und einem erneut enormen Kämpferherz stellten sich die Münsteranerinnen ihrem auf dem Papier übermächtigen Gegner entgegen und sammelten – wenn auch nicht in der Tabelle – bei den Zuschauern Punkte. Es lagen eben erlebte Welten zwischen dem 0:3 letzte Woche in Vilsbiburg und dem 0:3 gegen Schwerin.
 
Für USC-Hauptangreiferin Ivana Vanjak, die sich unmittelbar vor dem Auswärtsspiel in Bayern einen Außenbandriss zuzog, kam ein Einsatz gegen den Meister noch deutlich zu früh. Ob die 22-Jährige schon am Mittwochabend in Berlin wird auflaufen können, war am Sonntag noch nicht abzusehen. Für Vanjak besetzte USC-Trainer Teun Buijs die vakante Diagonalposition mit der erst 16-jährigen Luisa Keller, neben ihr standen in der Startsechs die lediglich ein Jährchen ältere Lina Alsmeier und Ines Bathen auf Außen, Roosa Laakkonen und Juliet Lohuis im Block, sowie natürlich Regisseurin Mareike Hindriksen und Libera Lisa Thomsen.
 
Die Unbekümmertheit der Jugend war der eine Grund, warum der USC dem haushohen Favoriten aus Mecklenburg in den ersten beiden Sätzen Paroli bot, die gewitzte und variable Spielweise der andere. Zudem servierten die Gastgeber mit Risiko, und das mit Erfolg, sodass die überragend besetzten Schwerinerinnen um Denise Hanke, Jennifer Geerties und vor allem Louisa Lippmann nicht ihre gewohnte Dominanz ausspielen konnten. Die Unabhängigen führten von Beginn an, erst bei 13:14 ging der SSC erstmals in Front. Der Satz blieb bis zum 20:20 weiter Punkt um Punkt umkämpft, dann schienen sich Qualität und Erfahrung auf SSC-Seiten doch noch für ein undramatisches Finish durchzusetzen. Doch Münster wehrte vier Matchbälle ab und musste erst in der Verlängerung den Meister ziehen lassen.
 
Einen Knick gab das dem Liga-Siebten nicht. Münster spielte auch nach dem ersten Seitenwechsel auf sehr gutem Niveau mit, so entstanden auch im zweiten Set viele Rallyes, die die Zuschauer begeisterten. Vor allem in der Abwehr – hier tat sich vor allem Lisa Thomsen ein ums andere Mal spektakulär hervor –, aber auch im Angriff, wo die Youngsters Keller und Alsmeier streckenweise spielten, als hätten sie schon einige Jahre Bundesliga-Erfahrung. Als Keller auf der Diagonalen etwas an Power verlor, tat Buijs einen einmal mehr völlig neuen Schachzug und wechselte für sie die gelernte Blockerin Jule Langgemach ein, die sofort voll auf der Höhe war – auch auf dieser ungewohnten Position. Den entscheidenden Wechsel und damit den Turn-around im zweiten Satz tat bei 10:13 aber Schwerins Trainerbank: National-Zuspielerin Denise Hanke musste raus, für sie kam die Finnin Kaisa Alanko, vor einem Jahr noch Publikumsliebling beim USC. Kaisa kam, und Schwerin gelang eine Sieben-Punkte-Serie. Der Europapokal-Viertelfinalist ging schließlich mit 25:22 durchs Ziel.
 
Trotz teilweise sagenhaften Einsatzes der USC-Abwehr blieb Münster im dritten Durchgang nicht mehr ganz so auf Tuchfühlung mit dem SSC. Und so hieß es nach 81 Netto-Spielminuten 0:3. Natürlich hätte Teun Buijs gegen den Klub, mit dem er in zwei Jahren alle vier möglichen Deutschen Trophäen holte, gerne mehr gesehen als die Null auf der eigenen Seite. Doch enttäuscht war der 57-Jährige nicht: „Vielleicht hätte es geklappt, wenn unsere Juliet Lohuis im Block einen etwas besseren Tag erwischt hätte, sie hat heute nicht ganz das Niveau gezeigt, das sie sonst hat. Aber in den Bereichen Einstellung, Kampfgeist und Spielfreude waren wir top“, fand der Niederländer. Ein besonderes Lob verdiente sich Lina Alsmeier, die auch völlig zurecht zur MVP gewählt wurde: „Sie entwickelt sich sehr gut, das ist schon beeindruckend“, fand Buijs.
 
Das Match gegen Schwerin war für Buijs und sein Ensemble „der Auftakt einer etwas verrückten Woche“, wie der Coach es nennt, da der USC binnen sieben Tagen drei Bundesligapartien, eine daheim gegen den Meister Schwerin, zwei auswärts in Berlin am Mittwoch und in Aachen am Samstag, zu absolvieren hat. „Das ist sehr schwer, da bleibt ja kaum Zeit für Training und Vorbereitung.“ Aber wie bei der Verletztenmisere werden der Coach und sein Team auch daraus das Beste machen.

 

veröffentlicht am Sonntag, 18. Februar 2018 um 17:36; erstellt von USC Münster e.V.

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