Ergebnisarchiv | 1. Bundesliga Frauen

1. Bundesliga Frauen Playoff

Rote Raben Vilsbiburg

1. Bundesliga Frauen Playoff

Arbeitssieg mit Experimenten

Allianz MTV Stuttgart vs. Rote Raben Vilsbiburg, 3/19/16, 1. BLFPO
Team und Fans jubelten, als der letzte Punkt an Stuttgart ging.
Photo: www.tombloch.de

In den Playoffs um die Deutsche Meisterschaft 2016 zählt letztendlich nur der Sieg, das "Wie" rückt in den Hintergrund. Im ersten Viertelfinalspiel am 19.03. präsentierten sich Allianz MTV Stuttgart und die Roten Raben Vilsbiburg allerdings beide nicht von ihrer besten Seite. "In diesem Spiel hieß es "Alles oder nichts", wir haben ebenso wie die Raben gekämpft und am Ende waren wir dann ein Quäntchen besser", bilanziert Debbie van Daelen. Mit 3:1 (21:25, 25:20, 25:23, 28:26) gewann Allianz MTV gegen die Niederbayerinnen und verschaffte sich somit einen Vorteil für das zweite Spiel, auswärts am 26.03.

Im ersten Satz hatte die Gastmannschaft aus Vilsbiburg noch klar die Nase vorn, auch wenn sich Stuttgart am Anfang im Block besser behauptete und die Roten Raben bis zur ersten technischen Auszeit bei 8:5 unter Druck setzte. Liana Mesa Luaces machte Nikki Lindow, Michaela Mlejnkova und Co. das Leben am Netz jedoch schwer. Und die Vilsbiburger Topscorerin, Roslandy Acosta Alvarado, wachte nach der zweiten technischen Auszeit dann auch auf. Die Punkte flogen den Raben wortwörtlich zu, denn Stuttgart hatte in der Annahme und im Angriff sichtliche Probleme. Trotzdem arbeiteten sich die Spielerinnen des Heimteams Schritt für Schritt wieder an ihre Gegner heran und verkürzten den Rückstand bis auf 21:23. Der folgende Punkt erwies sich dann als satzentscheidend: Zunächst zeigte der Schiedsrichter Punktgewinn für Stuttgart an, es hätte 22:23 gestanden, da der Tusch der Raben ins Aus ging. Danach revidierte Ferdinand Rill seine Entscheidung, kein Tusch, kein 22:23, sondern Satzball für Vilsbiburg. Stuttgart war nach diesem unerwarteten Aufschlagwechsel wie paralysiert, die Folge: Ein Ass im Feld der Gastgeber besiegelte gleich darauf den ersten Satz mit 21:25.

Der zweite Satz erinnerte zu Beginn an den ersten, während jeder Stuttgarter Fan, der in der fast ausverkauften SCHARRena mit von der Partie war, auf einen anderen Satzausgang hoffte. Dass dieser auch eintrat, hatten die Stuttgarterinnen womöglich dem anfänglichen Vorsprung zu verdanken, den Vilsbiburg auch am Ende nicht mehr aufzuholen vermochte. Auffällig war jedoch, dass die Stuttgarter Blockpunkte im Vergleich zu Angriffspunkten die Überhand gewannen, Vilsbiburgs gefährlichste Angreiferinnen, Luaces und Acosta, bekam das Heimteam langsam, aber sicher in den Griff. Die unglücklichen "Reinplumpser" gingen zwar alle auf das Punktkonto der Raben, aber Stuttgart machte den Satzrückstand mit einem 25:20 wieder wett.

Qualitativ hätten beide Teams im Viertelfinale noch eine Schippe drauflegen können - doch es ist nicht das erste Mal, dass sich in dieser Saison das Spiel nach einer längeren Pause als schwierig erwies. Die Mannschaften fanden einfach nicht zu ihrem Rhythmus. Zudem gingen Stuttgart die personellen Möglichkeiten aus. Außenangreiferin Jelena Wlk fiel nach einer OP am kleinen Finger aus, der bewährte Doppelwechsel Nichol-Grobelna/Stoltenborg-van Daelen musste ebenfalls ausbleiben. So hielten viele in der Halle den Atem an, als im dritten Satz Femke Stoltenborg und Valerie Nichol, Stuttgarts Zuspielerinnen, zeitgleich auf dem Feld standen, und Nichol quasi den "Job" als Angreiferin übernahm. Doch trotz dieses "Handicaps" konnten sich Kim Renkema und ihr Team diesen Durchgang mit 25:23 sichern, wenn auch wieder knapper als im zweiten Satz. Stuttgart profitierte dabei auch von der ebenfalls nachlassenden Leistung der Vilsbiburgerinnen.

Als ein Wechselbad der Gefühle sollte sich der vierte - und letzte - Satz erweisen. Zum 5:8 zeigte der 1. Schiedsrichter wieder seinen Wankelmut: Punkt für Stuttgart, nachdem der Ball knapp im Feld der Gäste landete; nach Absprache mit seinem Linienrichter ging der Punkt dann doch an Vilsbiburg. Ob es nicht fairer wäre, bei Unsicherheit zuerst die anderen Unparteiischen heranzuziehen und dann eine Entscheidung zu treffen?
Die wieder erstarkten Roten Raben um Luaces, Acosta und Oosterveld nahmen Stuttgart nach der ersten technischen Auszeit Punkte ab "wie nichts", der vierte Satz schien bei der Tagesform der Spielerinnen schon verloren. Ein unerlaubter Hinterfeldangriff bescherte Stuttgart allerdings wieder den Aufschlag. Da Kurzangriffe über die Mittelposition nun besser durchkamen, gelang es Allianz MTV, den Rückstand von 7:13 auf 18:21 zu verkürzen - die wirklich heiße Phase sollte nun aber erst beginnen. Valerie Nichol sprang erneut als Diagonalangreiferin ein und machte direkt einen Punkt, indem sie den Vilsbiburger Block anschlug und den Ball so ins Aus bugsierte. So experimentell wie dieser Einsatz auf den ersten Blick aussah, war er jedoch gar nicht: Nichol hat schon während ihrer Zeit an der Purdue University, Indiana, ab und an auf der Diagonalposition gespielt.
Stuttgart musste einige Satzbälle abwehren, bevor das Team beim Stand von 27:26 endlich zum Zug kam, um das erste Playoff-Viertelfinale für sich zu entscheiden. Mit 3:1 Sätzen gelang der Heimmannschaft dies nach 113 Spielminuten. Als wertvollste Spielerinnen wurden Luaces (RRV) und Mlejnkova ausgezeichnet.

"Es war heute wirklich schwierig", erklärte Stuttgarts Trainer Guillermo Hernandez, "und am Samstag wird es sicherlich nicht leichter." Debbie van Daelen hofft trotzdem: "Vielleicht schaffen wir es nur mit zwei Spielen ins Halbfinale. Die Stimmung war jedenfalls so gut, dass wir uns untereinander auf dem Feld kaum verstehen konnten." Für die Stimmung gesorgt haben nicht nur die etwa 2000 Stuttgarter Fans, sondern auch der 50-köpfige Fanclub "Rabenpower" aus Vilsbiburg. Am Samstag, 26.03., zum zweiten Viertelfinalspiel, werden die Verhältnisse umgekehrt verteilt sein. Ob das Endergebnis auch ein anderes sein wird oder ob Stuttgart mit zwei Siegen ins Playoff-Halbfinale einzieht, steht derzeit noch in den Volleyball-Sternen.

published on Sunday, March 20, 2016 at 5:13 PM; created by Sarah Engler, MTV Stuttgart 1843 e.V.
Last modification: 3/21/16, 10:19 AM