Team und Fans jubelten, als der letzte Punkt an Stuttgart ging.
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In den Playoffs um die Deutsche Meisterschaft 2016 zählt
letztendlich nur der Sieg, das "Wie" rückt in den Hintergrund.
Im ersten Viertelfinalspiel am 19.03. präsentierten sich
Allianz MTV Stuttgart und die Roten Raben Vilsbiburg allerdings
beide nicht von ihrer besten Seite. "In diesem Spiel hieß es
"Alles oder nichts", wir haben ebenso wie die Raben gekämpft
und am Ende waren wir dann ein Quäntchen besser", bilanziert
Debbie van Daelen. Mit 3:1 (21:25, 25:20, 25:23, 28:26) gewann
Allianz MTV gegen die Niederbayerinnen und verschaffte sich somit
einen Vorteil für das zweite Spiel, auswärts am
26.03.
Im ersten Satz hatte die Gastmannschaft aus Vilsbiburg noch klar
die Nase vorn, auch wenn sich Stuttgart am Anfang im Block besser
behauptete und die Roten Raben bis zur ersten technischen Auszeit
bei 8:5 unter Druck setzte. Liana Mesa Luaces machte Nikki Lindow,
Michaela Mlejnkova und Co. das Leben am Netz jedoch schwer. Und die
Vilsbiburger Topscorerin, Roslandy Acosta Alvarado, wachte nach der
zweiten technischen Auszeit dann auch auf. Die Punkte flogen den
Raben wortwörtlich zu, denn Stuttgart hatte in der Annahme und
im Angriff sichtliche Probleme. Trotzdem arbeiteten sich die
Spielerinnen des Heimteams Schritt für Schritt wieder an ihre
Gegner heran und verkürzten den Rückstand bis auf 21:23.
Der folgende Punkt erwies sich dann als satzentscheidend:
Zunächst zeigte der Schiedsrichter Punktgewinn für
Stuttgart an, es hätte 22:23 gestanden, da der Tusch der Raben
ins Aus ging. Danach revidierte Ferdinand Rill seine Entscheidung,
kein Tusch, kein 22:23, sondern Satzball für Vilsbiburg.
Stuttgart war nach diesem unerwarteten Aufschlagwechsel wie
paralysiert, die Folge: Ein Ass im Feld der Gastgeber besiegelte
gleich darauf den ersten Satz mit 21:25.
Der zweite Satz erinnerte zu Beginn an den ersten, während
jeder Stuttgarter Fan, der in der fast ausverkauften SCHARRena mit
von der Partie war, auf einen anderen Satzausgang hoffte. Dass
dieser auch eintrat, hatten die Stuttgarterinnen womöglich dem
anfänglichen Vorsprung zu verdanken, den Vilsbiburg auch am
Ende nicht mehr aufzuholen vermochte. Auffällig war jedoch,
dass die Stuttgarter Blockpunkte im Vergleich zu Angriffspunkten
die Überhand gewannen, Vilsbiburgs gefährlichste
Angreiferinnen, Luaces und Acosta, bekam das Heimteam langsam, aber
sicher in den Griff. Die unglücklichen "Reinplumpser" gingen
zwar alle auf das Punktkonto der Raben, aber Stuttgart machte den
Satzrückstand mit einem 25:20 wieder wett.
Qualitativ hätten beide Teams im Viertelfinale noch eine
Schippe drauflegen können - doch es ist nicht das erste Mal,
dass sich in dieser Saison das Spiel nach einer längeren Pause
als schwierig erwies. Die Mannschaften fanden einfach nicht zu
ihrem Rhythmus. Zudem gingen Stuttgart die personellen
Möglichkeiten aus. Außenangreiferin Jelena Wlk fiel nach
einer OP am kleinen Finger aus, der bewährte Doppelwechsel
Nichol-Grobelna/Stoltenborg-van Daelen musste ebenfalls ausbleiben.
So hielten viele in der Halle den Atem an, als im dritten Satz
Femke Stoltenborg und Valerie Nichol, Stuttgarts Zuspielerinnen,
zeitgleich auf dem Feld standen, und Nichol quasi den "Job" als
Angreiferin übernahm. Doch trotz dieses "Handicaps" konnten
sich Kim Renkema und ihr Team diesen Durchgang mit 25:23 sichern,
wenn auch wieder knapper als im zweiten Satz. Stuttgart profitierte
dabei auch von der ebenfalls nachlassenden Leistung der
Vilsbiburgerinnen.
Als ein Wechselbad der Gefühle sollte sich der vierte - und
letzte - Satz erweisen. Zum 5:8 zeigte der 1. Schiedsrichter wieder
seinen Wankelmut: Punkt für Stuttgart, nachdem der Ball knapp
im Feld der Gäste landete; nach Absprache mit seinem
Linienrichter ging der Punkt dann doch an Vilsbiburg. Ob es nicht
fairer wäre, bei Unsicherheit zuerst die anderen
Unparteiischen heranzuziehen und dann eine Entscheidung zu treffen?
Die wieder erstarkten Roten Raben um Luaces, Acosta und
Oosterveld nahmen Stuttgart nach der ersten technischen Auszeit
Punkte ab "wie nichts", der vierte Satz schien bei der Tagesform
der Spielerinnen schon verloren. Ein unerlaubter Hinterfeldangriff
bescherte Stuttgart allerdings wieder den Aufschlag. Da
Kurzangriffe über die Mittelposition nun besser durchkamen,
gelang es Allianz MTV, den Rückstand von 7:13 auf 18:21 zu
verkürzen - die wirklich heiße Phase sollte nun aber erst
beginnen. Valerie Nichol sprang erneut als Diagonalangreiferin ein
und machte direkt einen Punkt, indem sie den Vilsbiburger Block
anschlug und den Ball so ins Aus bugsierte. So experimentell wie
dieser Einsatz auf den ersten Blick aussah, war er jedoch gar
nicht: Nichol hat schon während ihrer Zeit an der Purdue
University, Indiana, ab und an auf der Diagonalposition gespielt.
Stuttgart musste einige Satzbälle abwehren, bevor das
Team beim Stand von 27:26 endlich zum Zug kam, um das erste
Playoff-Viertelfinale für sich zu entscheiden. Mit 3:1
Sätzen gelang der Heimmannschaft dies nach 113 Spielminuten.
Als wertvollste Spielerinnen wurden Luaces (RRV) und Mlejnkova
ausgezeichnet.
"Es war heute wirklich schwierig", erklärte Stuttgarts
Trainer Guillermo Hernandez, "und am Samstag wird es sicherlich
nicht leichter." Debbie van Daelen hofft trotzdem: "Vielleicht
schaffen wir es nur mit zwei Spielen ins Halbfinale. Die Stimmung
war jedenfalls so gut, dass wir uns untereinander auf dem Feld kaum
verstehen konnten." Für die Stimmung gesorgt haben nicht nur
die etwa 2000 Stuttgarter Fans, sondern auch der 50-köpfige
Fanclub "Rabenpower" aus Vilsbiburg. Am Samstag, 26.03., zum
zweiten Viertelfinalspiel, werden die Verhältnisse umgekehrt
verteilt sein. Ob das Endergebnis auch ein anderes sein wird oder
ob Stuttgart mit zwei Siegen ins Playoff-Halbfinale einzieht, steht
derzeit noch in den Volleyball-Sternen.
published on Sunday, March 20, 2016 at 5:13 PM; created by Sarah Engler, MTV Stuttgart 1843 e.V.
Last modification: 3/21/16, 10:19 AM