VOLLEYBALL BUNDESLIGA
  • "Ohne Klubs, keine Liga": VBL-Chef Evers über die Auswirkungen der Corona-Krise
    VBL | Pressemitteilungen
    VBL-Präsident Michael Evers spricht im Interview über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Volleyball Bundesliga (VBL) und ihre Vereine, erläutert bereits ergiffene und mögliche weitere interne Maßnahmen und zeigt auf, welche Entscheidungen durch die Partner in Sport und Politik notwendig sind, um den Profivolleyball in Deutschland weiter auf höchstem Niveau ausüben zu können.

    VBL-Präsident Michael Evers spricht im Interview über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Volleyball Bundesliga (VBL) und ihre Vereine, erläutert bereits ergiffene und mögliche weitere interne Maßnahmen und zeigt auf, welche Entscheidungen durch die Partner in Sport und Politik notwendig sind, um den Profivolleyball in Deutschland weiter auf höchstem Niveau ausüben zu können.


    VBL-Präsident Michael Evers (Foto: VBL)

    Herr Evers, am 12. März hat sich die Volleyball Bundesliga als eine der ersten Ligen dazu entschlossen, den Spielbetrieb abzubrechen und die Saison zu beenden. Wir bewerten Sie die Lage heute?

    Michael Evers: In den vergangenen vier Wochen hat sich gezeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, uns gegen eine vorübergehende Aussetzung des Spielbetriebs auszusprechen. Die Volleyball Bundesliga ist dadurch schnell handlungsfähig geworden. Es muss nicht mehr von Woche zu Woche ausgeharrt werden, vielmehr können sich Liga und Klubs voll fokussiert mit dem Krisenmanagement beschäftigen.

    Welche Maßnahmen wurden konkret ergriffen? Welche Rolle spielt die VBL dabei?

    Evers: Zusammen mit unserer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft OFM konnten die Kolleginnen und Kollegen aus dem VBL-Center den Klubs sehr schnell einen Überblick zu den staatlichen Soforthilfeprogrammen an die Hand geben. Diese reichen von der Beantragung zu Kurzarbeit über Steuerstundungen bis hin zu Zuschussprogrammen. Zudem bringt die VBL alle Klubs regelmäßig in Videokonferenzen zusammen, um sie dort über Hilfsmöglichkeiten zu informieren, aber auch, um schnell auf die aktuellen Bedürfnisse der Vereine eingehen zu können. In diesem Kreis ist eine große Solidarität unter den Klubs zu spüren, die sich auch gegenseitig unterstützen.

    Wie bedrohlich ist die Lage für die Vereine?

    Evers: Die Coronakrise ist für den gesamten Sport existenzgefährdend. Die organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sind groß. Den Klubs fehlen Erlöse aus Ticketing, Sponsoring und Medienrechten. Wir standen kurz vor den Playoffs, in denen besonders viele Umsätze generiert werden, hier boomen die Zuschauerzahlen. Diese Erlöse dienen wesentlich dazu, den Rest der Saison und die spielfreie Zeit zu finanzieren. All das ist weggefallen und wird auch nachträglich nicht erwirtschaftet werden können.

    Werden alle Klubs diese Krise überleben?

    Evers: Das kann ich heute nicht seriös beantworten. Wir werden aber alles dafür tun. Dafür steht insbesondere auch die Solidargemeinschaft der Volleyball Bundesliga. Wir sind alle gut beraten, jetzt besonnen und überlegt vorzugehen. Entscheidend wird aus meiner Sicht die Dauer der aktuellen Einschränkungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben sein. Das bestimmt zum einen, wie stark die Krise unseren Wirtschaftspartnern zusetzt und in welchem Umfang diese in der Lage sein werden, ihr Sportsponsoring aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus stellt sich natürlich die Frage, ob zum geplanten Saisonstart der 2. Bundesliga Mitte September und der 1. Bundesliga Anfang Oktober wieder Spiele vor Zuschauern möglich sein werden.

    Reichen die staatlichen Hilfsprogramme aus?

    Evers: Die Soforthilfeprogramme mussten natürlich erstmal pauschal auf viele Wirtschaftszweige ausgerichtet werden, um schnell zu greifen. Jetzt muss es darum gehen, branchenspezifische Lösungen zu finden. Der Sport steht vor ganz eigenen Herausforderungen, über die wir mit den Partnern im Sport und der Politik sprechen müssen. Einige Bundesländer haben inzwischen Hilfsprogramme für den Sport aufgelegt, die sich aber vorrangig an den klassischen Breitensportverein richten.

    Wir brauchen jetzt spezielle Hilfen für den Profisport in den 1. und 2. Bundesligen in Deutschland, um unsere vielfältige Sportlandschaft zu erhalten, denn die Bundesligavereine sind als Leuchttürme ihrer Sportarten von zentraler Bedeutung für den Amateur- und Nachwuchssport in unserem Land. Sie haben aber auch bedeutende Funktionen als Arbeitgeber und Wirtschaftsunternehmen, sind wichtig für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und fördern das Miteinander – eine Aufgabe, die gerade nach überstandener Corona-Krise weiter an Bedeutung gewinnen wird. Um dieser wichtigen sozialen Aufgabe gerecht werden und das gesellschaftliche Leben nach Corona wieder ankurbeln zu können, wird es direkter Finanzhilfen durch Bund, Länder und Kommunen bedürfen.

    Was kann die Volleyball Bundesliga tun, um ihre Vereine zu unterstützen?

    Evers: Die VBL ist aus eigenen Mitteln nicht in der Lage, einen Solidarfond aufzulegen oder Zuschüsse an ihre 75 Mitgliedsvereine zu zahlen. Wir haben aber schnell reagiert und unseren Vereinen aus den nicht-verbrauchten Schiedsrichtervorauszahlungen und Transfererlösen bis heute über 100.000 Euro an liquiden Mitteln bereitgestellt, um die kommenden Wochen und Monate ohne Spielbetrieb überbrücken zu können.

    Wie sieht es mit der Anpassung von Lizenzierungsvoraussetzungen für die kommende Saison aus?

    Evers: Zunächst wurden die Fristen für die Lizenzierung verschoben, um den Vereinen Zeit zu verschaffen. Ende April wird die Lage erneut bewertet, um auch das Lizenzierungsverfahren nachjustieren zu können. Derzeit arbeiten wir an einem Maßnahmenkatalog, um unsere Vereine in der kommenden Saison von direkten oder indirekten Kosten zu entlasten. Das vorrangige Ziel bleibt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Wir stellen derzeit alle Lizenzanforderungen auf den Prüfstand. Die Vereine werden dann Ende April in den Arbeitskreissitzungen über die Vorschläge beraten und entsprechende Beschlüsse fassen.

    Können Sie schon konkrete Beispiele nennen?

    Evers: Ich möchte unsere Vorschläge zunächst intern diskutieren. Wichtiger als Einzelbeispiele sind mir zunächst die Prinzipien. Wir dürfen nicht mit dem Rasenmäher Ausgaben und Lizenzanforderungen streichen. Schließlich geht es auch darum, die Zukunftsfähigkeit der Volleyball Bundesliga und ihrer Vereine zu erhalten. Wenn weiter Erlöse aus Medienrechten und Sponsoring erzielt werden sollen, braucht es dafür weiterhin ein attraktives Produkt. Es wäre z.B. absolut kontraproduktiv, auf den mobilen fremdlinienfreien Boden zu verzichten. Ich denke, dass es vorrangig darum gehen wird, bereits beschlossene, zusätzliche Anforderungen zunächst auszusetzen.

    Inwieweit engagiert sich die Volleyball Bundesliga auch dabei, externe Unterstützung zu organisieren?

    Evers: In der Initiative Teamsport Deutschland sind die deutschen Mannschaftssportverbände organisiert. Hier ist auch der Volleyball über den Deutschen Volleyball-Verband vertreten. In diesem Kreis wurde ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog erarbeitet, der allen Vereinen zum einen eine mittelfristige finanzielle Entlastung ermöglichen soll. Das reicht von der Rückerstattung der Mieten für Sportstätten in öffentlicher Trägerschaft über Steuererleichterungen für Sponsoren im Bereich Hospitality bis hin zu attraktiveren Bedingungen für KfW-Darlehen. Wichtig ist auch dass wir mit der Verwaltungsberufsgenossenschaft eine Einigung erzielen, die Zahlungen auszusetzen und die beschlossenen Erhöhungen rückgängig gemacht werden. Diese Abgabenlast erdrückt unsere Bundesligisten.

    Zum anderen sollen aber auch die Sportler durch diese schwierige Zeit begleitet werden, dass sie nach Beendigung der Krise wieder arbeitsfähig sind – also körperlich fit.

    In Anlehnung an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) fordert Teamsport Deutschland eine Ausweitung der Rettungsmaßnahmen des Bundes auf Sportdeutschland sowie die Einrichtung eines Notfallfonds für den Sport.

    Welche Risiken bestehen für die VBL selbst?

    Evers: Ohne Klubs, keine Liga - so einfach ist die Formel. Die VBL finanziert sich in großen Teilen durch Lizenzgebühren, Sponsoring und Medienrechteerlöse – da besteht natürlich ein Risiko.

    Wir sitzen mit unseren Vereinen in einem Boot und richten daher alle Anstrengungen darauf aus, gemeinsam gut durch die Krise zu kommen. Teile des Teams im VBL-Center sind bereits in Kurzarbeit, zudem versuchen wir, an allen Ecken und Enden Kosten einzusparen, laufende Stellenbesetzungsverfahren wurden ausgesetzt. Trotz der Corona-Krise arbeiten wir mit Hochdruck daran, einen Ligasponsor zu finden – das würde die Lage definitiv entspannen.

    Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

    Evers: Vor allem hoffe ich, dass alle gesund bleiben und wir die Pandemie weltweit in den Griff bekommen. Denn in der Bundesliga haben wir auch viele ausländische Spielerinnen und Spieler, die mit ihren Familien derzeit in den Krisenherden rund um den Globus leben. Außerdem glaube ich fest daran, dass wir bei allen aktuellen Problemen auch eine Chance haben, aus der Krise gestärkt herauszukommen. Ich appelliere daher an alle, jetzt die Geduld zu behalten, die Solidarität im Sport und unserer Ligengemeinschaft aktiv zu leben und nicht angstgetrieben zu agieren.

    07.04.2020 13:33
  • „Tollhaus der Liga“ schließt seine Tore: TV Rottenburg zieht sich aus Bundesliga zurück
    VBL | Pressemitteilungen
    Die Volleyball Bundesliga (VBL) wird ohne den TV Rottenburg in die Saison 2020/21 gehen. Der Verein wird nach fast 20 Jahren im Bundesliga-Volleyball keine Lizenz mehr für die 1. oder 2. Bundesliga beantragen.

    Die Volleyball Bundesliga (VBL) wird ohne den TV Rottenburg in die Saison 2020/21 gehen. Der Verein wird nach fast 20 Jahren im Bundesliga-Volleyball keine Lizenz mehr für die 1. oder 2. Bundesliga beantragen. Grund dafür sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die den Verein hart treffen.


    Nach fast 20 Jahren endet das Kapitel Bundesliga beim TV Rottenburg (Foto: Ralph Kunze)

    „Allein in den vergangenen Tagen summierten sich die Sponsoren-Absagen für die kommende Saison des TVR auf einen sechsstelligen Betrag. Ohne größere Finanzhilfen ist der Bundesliga-Spielbetrieb nicht mehr zu stemmen – eine Verschuldung kommt beim TVR prinzipiell nicht in Frage, weshalb jetzt die Reißleine gezogen werden musste“, begründet der TV Rottenburg seine Entscheidung in einer Pressemitteilung.

    Trotz einer sportlich erfolgreichen Saison, die vom Halbfinaleinzug im DVV-Pokal gekrönt wurde, und dem zweitbesten Zuschauerschnitt der gesamten Liga hätten sich die finanziellen Aussichten des Vereins, der schon vor der Corona-Krise mit knappen Mitteln zu kämpfen hatte, schlagartig verschlechtert. „Unter den gegebenen Voraussetzungen können wir es nicht verantworten, in der nächsten Saison die Lizenz in der 1. oder 2. Bundesliga zu beantragen“, sagt Philipp Vollmer, Geschäftsführer der TVR Volleyball GmbH.

    Für die Verantwortlichen bei der Volleyball Bundesliga kam die Entscheidung des TV Rottenburg, sich in die 3. Liga zurückzuziehen, überraschend. „Wir wurden am Donnerstagabend über den Schritt informiert und damit vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga. Er bedauert, dass der Verein nicht zuvor den Austausch mit der Liga gesucht hat: „Wir hätten uns gewünscht, gemeinsam mit dem Klub Lösungen zu finden, um den TV Rottenburg durch diese schwierige Zeit zu bringen und der so begeisterungsfähigen Volleyballgemeinde dort auch weiterhin Bundesliga-Volleyball zu ermöglichen.“

    Andreas Bahlburg, Sprecher der Männer-Bundesliga im VBL-Vorstand, findet die Entscheidung des TV Rottenburg verfrüht und überhastet. "Mich enttäuscht die Vorgehensweise und Entscheidung des TV Rottenburg zum jetzigen Zeitpunkt“, sagt Bahlburg. „Die VBL hat den Vereinen mit der Verlängerung der Lizenzierungsfristen zusätzlich Zeit verschafft, um die eigene Krisenbewältigung voranzutreiben, Zeit mit Sponsoren und Politik zu gewinnen und Rettungsschirme für den Sport aufzuspannen. Die Vereine der Bundesliga sind in den letzten Wochen im Rahmen von Videokonferenzen in engem Austausch gewesen, um sich wechselseitig zu unterstützen. Dass der TV Rottenburg nun ohne Vorankündigung die Reißleine zieht, gefährdet auch andere Standorte und beschädigt die Solidarität innerhalb der Bundesliga."

    Die Frist für den Lizenzantrag der 1. Bundesliga wurde vom 15. April auf den 15. Mai verschoben. Die Fristen für die wirtschaftliche Lizenzierung in der 1. Bundesliga wurden vom 15. April auf den 1. Juni sowie vom 30. Juni auf den 31. Juli verschoben.

    03.04.2020 11:15
  • Gunter Hardt wird Geschäftsleiter Vermarktung und Marketing
    VBL | Pressemitteilungen
    Gunter Hardt wird zum 1. April 2020 neuer Geschäftsleiter Vermarktung und Marketing bei der Volleyball Bundesliga (VBL)

    Gunter Hardt wird zum 1. April 2020 neuer Geschäftsleiter Vermarktung und Marketing bei der Volleyball Bundesliga (VBL). Der 47-Jährige folgt auf Frido Gutknecht, der die Volleyball Bundesliga zum 31. März verlässt.


    Gunter Hardt wird neuer Geschäftsleiter Vermarktung und Marketing bei der VBL. (Foto: Werner)

    Hardt arbeitete zuletzt als Leiter Marketing & Vertrieb beim Berliner Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes und war davor im Bereich Marketing, Corporate Partnerships und Fundraising für den Special Olympics Deutschland e.V. tätig. Ohnehin verbrachte Hardt den größten Teil seiner beruflichen Karriere im Sportbereich, zunächst im B2B Marketing im Sektor Running bei cip/adidas, dann über sechs Jahre in der Sportvermarktung bei der Lagardère Sports-Tochter Sportfive, für die er den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC und dessen Sponsoren betreute.

    Zu seinen Arbeitsschwerpunkten bei der Volleyball Bundesliga werden die Ligavermarktung sowie die Vermarktung der Leuchtturmevents comdirect Supercup und DVV-Pokalfinale gehören, aber auch die Konzeption und Implementierung weiterer Marketingaktivitäten, die Optimierung bestehender Kampagnen und die Weiterentwicklung der Marke Volleyball Bundesliga.

    "Die Volleyball Bundesliga liegt trotz Ihrer Attraktivität für viele Unternehmen in der Vermarktung noch hinter anderen Teamsportarten zurück", sagt Hardt. "Mein Ziel ist es, das mit dem gesamten VBL-Team zu ändern." Dabei hält es Hardt mit dem ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und fragt bezogen auf die gesteckten Ziele: "Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?"

    VBL-Präsident Michael Evers freut sich über den nahtlosen Übergang auf der Position. "Mit Gunter Hardt konnten wir einen routinierten Vermarkter gewinnen, der der Volleyball Bundesliga mit seiner Erfahrung neue Impulse in den Bereichen Vermarktung und Marketing geben wird. Trotz der schwierigen gesellschaftlichen Situation werden wir alles dafür tun, dass er sich schnell in das neue Umfeld einfinden kann, selbst wenn der persönliche Kontakt mit vielen Kollegen wohl erst einmal warten muss", sagt Evers.

    Hardt berichtet direkt an VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung.

    31.03.2020 12:59
  • „Fasziniert vom Teamaspekt“: Georg Klein über über Laufbahn, Lektionen und Herausforderungen
    VBL-News
    Der 28-jährige Mittelblocker Georg Klein verabschiedet sich vom Profisport und legt den Volleyball zugunsten seiner beruflichen Ausbildung in die Ecke. Stolz kann er auf 14 Einsätze in der Nationalmannschaft, zwei Deutsche Meistertitel, zwei DVV-Pokalsiege, sowie dem zweimaligen Gewinn des Supercups zurückblicken. Wir lassen mit ihm zusammen seine zehnjährige Profikarriere Revue passieren.

    Der 28-jährige Mittelblocker Georg Klein verabschiedet sich vom Profisport und legt den Volleyball zugunsten seiner beruflichen Ausbildung in die Ecke. Stolz kann er auf 14 Einsätze in der Nationalmannschaft, zwei Deutsche Meistertitel, zwei DVV-Pokalsiege, sowie dem zweimaligen Gewinn des Supercups zurückblicken. Wir lassen mit ihm zusammen seine zehnjährige Profikarriere Revue passieren.


    Der Zusammenhalt im Team hat Georg von Anfang an beim Volleyball fasziniert. (Foto: Eckhard Herfet)

    Georg, seit der Bekanntgabe deines Rücktrittes sind jetzt schon ein paar Tage vergangen. Wie fühlst du dich?

    Georg Klein: „Zurzeit fühlt sich alles noch recht normal an. Ich glaube, es wird sich komisch anfühlen, wenn sich alle wieder auf die Saison vorbereiten, die Spiele beginnen und ich dann nicht mehr dabei bin.“

    Blicken wir etwas zurück in die Vergangenheit. Du hast sportlich als Schwimmer in Leipzig begonnen, bevor du deine Liebe zum Volleyball entdeckt hast. Was hat den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

    Georg: „Mein erster Trainer Mario Balden meinte, ich soll mir das mit dem Volleyball mal anschauen. Ich war unterbewusst gleich fasziniert von dem Teamaspekt. Der Zusammenhalt untereinander und das gemeinsame Kämpfen für ein Ziel hat es mir angetan und schlussendlich dafür gesorgt, dass ich beim Volleyball geblieben bin. Schwimmen als Indivudualsportart ist da ja das komplette Gegenteil.“

    Welche Ratschläge würdest du einem Athleten geben, der gerade mit dem Volleyball spielen angefangen hat?

    Georg: „Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es nicht nur auf Talent und körperliche Voraussetzungen ankommt. Volleyball ist eine sehr technische Sportart, mit vielen Wiederholungen. Spieler, die sehr fleißig waren und mehr gearbeitet haben als andere, sind am Ende besser geworden. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, falls ein Trainer das Potential nicht gleich erkennt. Beim Volleyball hat man es sprichwörtlich selbst in der Hand: Übung macht hier den Meister.“

    Leistungssport bringt viele Entbehrungen mit sich. Ist es dir schwer gefallen in der Jugend auf einiges zu verzichten, was für Gleichaltrige normal war?

    Georg: „Mir ist das damals nicht schwergefallen, weil alle meine Freunde auch im selben Internat waren. Wir haben alle gemeinsam beim VCO Berlin trainiert und sind zusammen zur Schule gegangen, somit war es für uns normal.“

    Wenn du deine Karriere noch einmal durchleben könntest, was würdest du anders machen?

    Georg: „Rein sportlich gesehen gar nichts. Ich bin sehr zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist. Beruflich hätte ich wahrscheinlich damals in Düren schon mit der Polizeiausbildung beginnen sollen, weil es in NRW eine Sportfördergruppe gab. Da wäre die Vereinbarkeit von Leistungssport und beruflicher Ausbildung gegeben, was letztendlich ein Grund für mein Rücktritt war. Das ist aber das einzige Manko, was ich mir persönlich vorwerfen kann.“

    Nach welchen Kriterien hast du dir deine Arbeitgeber ausgesucht? Nimm uns mit durch deine Karriere. Welche haben zu welcher Station geführt?

    Georg: „Düren war für mich damals, der mit Abstand beste Club, von dem ich ein Angebot hatte. Generell kann ich jedem jungen Spieler Düren als erste Adresse nur ans Herz legen. Dort bekommt man seine Spielzeit - auch als junger Spieler. Danach wollte ich unbedingt ins Ausland. Zuerst bekam ich keine passenden Angebote, aber mit Antwerpen hat es dann doch noch geklappt. Zurück nach Deutschland ging es dann zum VfB Friedrichshafen. Zwei Telefonate mit dem damaligen Trainer Vital Heynen und die Sache war klar. Bei Berlin hatte ich gelesen, dass Felix Fischer aufgehört hat. Daraufhin habe ich sofort meinen Manager angerufen und ihm gesagt, dass ich dort unbedingt hin möchte.“


    Düren war für Georg die erste wichtige Station seiner Profilaufbahn.

    Für wie wichtig hältst du eine Auslandsstation für einen Profisportler?

    Georg: „Rein sportlich hat mir mein Jahr in Antwerpen gar nichts gebracht. So wie die Volleyball Bundesliga momentan besetzt ist, muss man nicht wirklich ins Ausland gehen. Wenn man die Chance hat, zu einem der fünf Top-Clubs in Deutschland zu gehen, würde ich einem Spieler lieber das empfehlen. Klar ist eine Auslandsstation persönlich immer eine sehr prägende Zeit. Meine Zeit in Belgien war diesbezüglich klasse - das lag aber vor allem am Team. Wir haben uns alle sehr gut verstanden, dann macht das auch Spaß. Die unterschiedlichen Facetten - von Kleinstadtidylle bis Weltmetropole -, die wiederum große Unterschiede im Lebensstil und Mentalität der Menschen hervorrufen, gibt es auch hier in Deutschland.“

    Während deiner sportlichen Laufbahn hast du viele Menschen getroffen. Welche Beziehung war für dich die Wichtigste?

    Georg: „In meinem ersten Jahr in Düren habe ich mit Nicolai Kracht zusammengespielt. Leider haben sich unsere Wege dann getrennt, doch nach einigen Jahren haben wir uns wiedergefunden. Jetzt sind wir hier in Berlin fast Nachbarn und verbringen viel Zeit miteinander.“

    Welche Trainerphilosophie hat dich am meisten geprägt und warum?

    Georg: „Auf jeden Fall der Perfektionismus von Vital Heynen. Die extreme und rigorose Umsetzung seiner Philosophie war schon einzigartig. Die Vermeidung von Fehlern, auf die Fehler des Gegners warten und dabei clever spielen, hat mich sehr geprägt. Persönlich habe ich mich durch Cédric Énard weiterentwickelt. Er hat mir Aufgaben übergeben, durch die ich meine Führungsqualitäten ausbauen und verbessern konnte. Beide Trainer haben das Beste aus mir gemacht.“

     
    Vital Heynen´s Philosophie prägte Georg nachhaltig. (Foto: Sebastian Wells)

    Aber man sollte auch seinen eigenen Stil als Spieler entwickeln, oder?

    Georg: „Absolut, danach stellen die Trainer ihr Team zusammen. Natürlich muss man sich aber etwas an den jeweiligen Club anpassen. Jeder Club hat seine eigene Teamtaktik, die vom Trainer festgelegt wird und unglaublich wichtig ist. Trotzdem sollte diese Teamtaktik den eigenen Stil nicht zu sehr verändern, da der Trainer den Spieler danach ausgesucht hat.“

    Welche drei großen Lektionen hast du in deiner sportlichen Laufbahn gelernt, die du in deinem neuen Lebensabschnitt auch anwenden kannst?

    Georg: „Teamfähigkeit, der Glaube an sich selbst und dass man sich niemals zu sicher sein darf.“

    Gibt es eine Herausforderung, der du dich gern einmal gestellt hättest, die aber nie eingetreten ist?

    Georg: „Ich hätte als Spieler gern international mehr erreicht. Die Teilnahme an einer EM, WM oder gar bei Olympia ist der Traum eines jeden Sportlers. Leider hat es sportlich bei mir nicht gereicht. Das habe ich schnell für mich akzeptiert und das Positive für mich gesehen. Ich hatte im Gegensatz zu anderen Spielern die Möglichkeit und Zeit, mich in den Sommermonaten auszuruhen und die Saisonvorbereitung fit anzutreten.“

    Es gab Zeiten, in denen du aufgrund von Verletzungen nicht einsatzfähig warst. Wie hast du dich immer wieder selbst motiviert?

    Georg: „Meine Verletzungen waren für mich immer sehr bitter, da ich lange überhaupt nicht trainieren und somit dem Team nicht helfen konnte. Es hilft in dieser Phase nur, sehr konzentriert und hart in der Reha zu arbeiten. Je intensiver und härter man dort arbeitet, umso schneller ist man wieder auf dem Volleyballfeld zurück.“

    Du absolvierst ein Duales Studium bei der Polizei, dass sich nicht optimal mit dem Profidasein im Volleyball vereinen ließ und ein Grund für deinen Rücktritt ist. Kannst du uns das erläutern?

    Georg: „Die Ausbildung für den gehobenen Dienst ist ein Bachelorstudium. Der theoretische Teil, der an der Universität gelehrt wird, liegt nicht im Einflussbereich der Polizei. Pro Semester geht man vier Monate in die Universität und absolviert zwei Monate seiner Ausbildung direkt bei der Polizei. Die Universität hat ihre festen Stundenpläne, es herrscht Anwesenheitspflicht - und hier liegt das Problem. Im Wintersemester konnte ich nur montags in der Uni sein, weil das der einzige Tag der Woche war, wo ich wirklich immer in Berlin war. An den anderen Tagen in der Woche war es durch Training, Spiele und die dazugehörigen Reisen nicht möglich, Module zu belegen. So kommt man mit dem Studium einfach nicht voran, wenn man nur ein bis zwei Module pro Wintersemester schafft. Die Polizei hat das Studium auf fünf Jahre begrenzt. Es besteht zwar die Option, das Studium um ein Jahr zu verlängern, aber nur wenn ich dann durch keine einzige Prüfung falle. Leider gibt es hier in Berlin aus finanziellen Gründen kein Sportförderprogramm, in dem die Ausbildung flexibler ist.“

    Wie lange hat der Entscheidungsprozess für dein Rücktritt gedauert?

    Georg: „Die ersten Überlegungen hatte ich bereits in der letzten Saison. Da merkte ich, dass es mit dem Studium nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte. Zusätzlich ist mein Vertrag bei den Volleys ausgelaufen. Mit Kaweh Niroomand entschied ich mich dann aber relativ schnell, noch eine Saison dranzuhängen. Im November merkte ich, dass es sehr gut bei uns lief und war mir sicher, dass wir eine tolle Saison spielen würden - mit der Chance alle drei Titel zu gewinnen. Da ist für mich endgültig die Entscheidung gefallen:Ich wollte mein Karriereende mit dem Triple krönen. Das nun am Ende die Meisterschaft nicht mehr dabei ist, ist für mich immer noch unverständlich. Wir befürworten hier alle den Abbruch, da es keine andere Möglichkeit gab. Aber keinen Meister zu ehren, ist für mich, den Verein und alle Fans bitter.“


    Der Gewinn des DVV-Pokals 2020 mit seinen BR Volleys, der letzte Titel in seiner Karriere. (Foto: Sebastian Wells)

    War es keine Option noch eine Saison dranzuhängen?

    Georg: „Nein. Ich hatte das für mich entscheiden. Die Planung bei der Polizei stand ebenfalls seit Monaten: Das ist meine letzte Saison. Diese Entscheidung konnte ich nicht mehr verändern.“

    Das sportliche Triple ist dir verwehrt geblieben. Auf welchen Titel bist du besonders stolz?

    Georg: „Ich kann mich an jeden Titel sehr gut erinnern und bin mächtig stolz. Der dritte Platz mit Düren als Underdog war ein Riesenerfolg. Der erste Supercupgewinn mit Friedrichshafen in Berlin war der erste richtige Goldtitel für mich. Die Erfolge mit Berlin diese Saison werden lange Zeit bei mir im Gedächtnis bleiben.“


    Der Gewinn des Supercups mit dem VfB Friedrichshafen bleibt in besonderer Erinnerung. (Foto: Sebastian Wells)

    Was glaubst du ist notwendig, um den Volleyballsport in Deutschland noch bekannter zu machen?

    Georg: „Ich glaube wir sind da auf einem recht guten Weg. Der Vertrag mit Sport1 ermöglicht es, dass Volleyball im Free-TV gezeigt wird. Wir müssen aber dahin kommen, dass wir eine hundertprozentige Ausstrahlungszeit bekommen und bei Spielen nicht einfach von anderen Sportarten abgewürgt werden. Das ist meiner Meinung nach der Weg, um Volleyball bekannter zu machen. Es muss mehr im Free-TV laufen, weil dann mehr Menschen erkennen können, was das für eine geile Sportart ist.“

    Du hast zehn Jahre Volleyball-Bundesliga erlebt: Wie hat sie sich aus deiner Sicht entwickelt?

    Georg: „Absolut positiv und darauf bin ich stolz. Es ist deutlich professioneller geworden. Mit den Alpenvolleys und Frankfurt sind Teams in der Bundesliga, die für mächtig Konkurrenz sorgen. Auf der anderen Seite haben sich Düren und Lüneburg in den letzten Jahren ordentlich verstärkt. Wir sind von einer Topspitze mit nur Friedrichhafen und Berlin weggekommen und haben eine deutlich größere Konkurrenz aufgebaut.“

    Was würdest du ändern, wenn du uneingeschränkte Ressourcen zur Verfügung hättest?

    Georg: „Gerade auch im Hinblick auf die Nationalmannschaft würde ich eine Ausländerregel einführen. Die würde die Liga im Gegenzug zwar für ein paar Jahre schwächer machen,aber es ist ein wichtiger Punkt, um die Jugendarbeit weiter zu fördern. Wir müssen dahin kommen, dass die Bundesligisten alle eigene Jugendspieler ausbilden, um für ausreichend Nachwuchs zu sorgen. Gleichzeitig stellt man so auch sicher, dass man diese Talente nicht an andere Sportarten wie Basketball, Handball oder Fußball verliert. Es gibt schon viele Konzepte, durch die Kinder an den Volleyballsport herangeführt werden, aber das reicht noch nicht.“

    Wie forderst du dich in deiner Freizeit nun körperlich heraus?

    Georg: „Ich habe richtig Bock mich im Boxen oder Kickboxen auszuprobieren. Das wird mir sicherlich auch beruflich weiterhelfen.“

    Wird man dich in irgendeiner Form trotzdem noch bei den BR Volleys sehen?

    Georg: „Zu den Spielen in unseren Volleyballtempel komme ich auf jeden Fall, ist ja quasi bei mir direkt um die Ecke. Wir sind aber auch in der Planung, dass ich andere Aufgaben im Verein übernehme. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden, aber etwas Konkretes kann ich noch nicht sagen, da dies aufgrund von Corona natürlich erst einmal in den Hintergrund gerückt ist.“


    Sein offizielles Abschiedsspiel wird Georg trotz Coronakrise am 01. April bekommen, jedoch nur virtuell. (Foto: Conny Kurth)

    Abschiedsspiel trotz Corona

    Das Kommunikationsteam der BR Volleys war wieder einmal sehr kreativ, schließlich soll Georg einen gebührenden Abschied bekommen. Ein schwieriges Unterfangen, wenn Sporthallen geschlossen sind, die Menschen nur für das Nötigste raus dürfen und enger Körperkontakt vermieden werden soll. Daher eine besondere Austragungsform:

    In einem virtuellen Abschiedsspiel laufen am 01. April zwei von Georg zusammengestellte Teams auf. Anpfiff für das fiktive Spiel ist um 18:30 Uhr. Tassilo Bade und Peter Große werden die Ereignisse auf dem Spielfeld kommentieren. Sporttotal.tv wird wie gewohnt das Match im Audioformat live streamen. Alle Fans sind herzlich eingeladen sich Tickets für dieses "Allstar-Game" zu sichern und so den Club in der angespannten Lage zu unterstützen. Alle weiteren Infos sind auf der BR Volleys Website und deren Social Media Kanäle nachzulesen.

    31.03.2020 12:58

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