Europapokal-Finanzierung stellt Rote Raben jährlich vor Mammutaufgaben
Wenn ein Bundesligateam an internationalen Wettbewerben teilnimmt, herrscht die weit verbreitete Meinung, dies sei automatisch für den jeweiligen Klub auch lukrativ. In Sportarten wie Fußball und Handball trifft es auch zu. So rechnet man beim FC Bayern München eher mit Verlusten, falls einmal nicht die Champions League erreicht würde. Das entspricht im Volleyball aber nicht der Realität: „Europapokal zu spielen bedeutet nicht große Einnahmen, sondern große Ausgaben für einen Verein. Der Pokal muss sich selbst finanzieren, und das ist mit 15.000 bis 20.000 Euro Kosten pro Runde ein schwieriges Unterfangen“, erklärt Karin Rieder, Prokuristin der Roten Raben. Wenn man dann auch noch Pech in der Auslosung hat, kann es auch schnell die 20.000 Euro-Marke sprengen, beispielsweise bei Auswärtsreisen nach Sibirien oder Aserbaidschan. Insgesamt ist dies sehr schwer im Vorfeld zu kalkulieren. Bei Losglück, wenn also Prag oder Zürich mal als Gegner herausspringen würden, könnten die Reisekosten stark reduziert werden, indem man den Bus statt Flieger nimmt und bereits eine Stunde nach dem Wettkampf wieder abreist.
Bevor sich Renata Cristina de Jesus Benedito und Co. wieder im CEV Cup strecken können, müssen die Verantwortlichen die Finanzierung des zweithöchsten europäischen Pokalwettbewerbs sichern (Foto: Florian Galler)
Allein die Ausrichtung eines Heimspiels bringt aber schon Kosten von ca. 4.000 Euro (Schiedsrichter, Offizielle der CEV, Teilnahmegebühr) mit sich. Diese Kosten lassen sich durch Einnahmen von rund 3.000 Euro pro Heimspiel noch gar nicht decken. „Falls wir alle sechs Runden des CEV Cups spielen würden, hätten wir mit einer Mischkalkulation 84.000 Euro an Ausgaben vor der Brust. In der Champions League wäre es sogar das Doppelte. In der Königsklasse fallen weit mehr als 20.000 Euro pro Heimspiel an“, erläutert André Wehnert, Geschäftsführer Sport.
Doch das Kostenproblem ist nicht das Einzige, wie Klaus-Peter Jung, Geschäftsführender Gesellschafter der Roten Raben, bedauert: „Wir haben auch den Eindruck, dass der Europapokal in dieser Region leider nicht so gut angenommen wird wie an anderen Standorten.“ Schließlich kamen in der vergangenen Saison gerade einmal 650 Zuschauer zum ersten CEV Cup-Spiel gegen Khimik YUZHNY in die Ballsporthalle, während in Suhl, Wiesbaden oder Dresden die Hallen aus allen Nähten zu platzen drohen.
Denn Europapokal zu spielen ist und bleibt für die Klubs, Sponsoren und Zuschauer ein sportliches Highlight. Spielerinnen, die sich für die Roten Raben entscheiden, kommen nicht nur wegen des tollen Umfelds nach Vilsbiburg, sondern auch weil sie so einen internationalem Vergleich haben. „Nationalspielerinnen wie Lenka Dürr und Lena Möllers, oder auch Spielerinnen und junge Talente wie Luise Mauersberger und Celin Stöhr, die vor dem Sprung in die Auswahl stehen, ist es sehr wichtig, dass ihr Verein am Europapokal teilnimmt“, erklärt Jung. Gleichzeitig werden Dresden und Schwerin aber durch ihre Champions League-Teilnahme interessanter für ausländische Topspielerinnen und drohen langsam davonzuziehen. Wirtschaftlich wie sportlich. Denn die Königsklasse ist für Sponsoren interessanter und das Niveau ist höher als in der Bundesliga, wovon die Teams wiederum im Kampf um die Meisterschaft profitieren.
In der ersten Runde des CEV Cups 2012/13 haben die Roten Raben hinsichtlich der Strecke wie in der letzten Saison ein undankbares Los erwischt: Sie treffen auf den albanischen Meister Minatori RRESHEN. Die nordalbanische Stadt liegt 1.400 Kilometer entfernt, wobei per Flugzeug oft ein Zwischenstopp in Istanbul notwendig ist. Sportlich sollte diese Aufgabe für Lenka Dürr und Co. machbar sein, für die Verantwortlichen ist sie finanziell wieder eine große Herausforderung.
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Bericht: Anna Wedegärtner/Rote Raben




