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Pirates vs. VfB Friedrichshafen – ein Spiel polarisiert

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Es ist schon verwunderlich, dass nach Abschluss der Bundesligahauptrunde von allen Seiten ein Problem thematisiert wird, das grundsätzlich absehbar und hausgemacht war. Jedes Bundesligateam setzt sich Ziele, jeder Bundesligaverein hat Prioritäten und der Weg auf dem die Ziele erreicht werden sollen und können ist mannigfaltig. Doch plötzlich fokussiert sich alles auf ein Spiel. Für den Einen stellt das Spiel gegen den deutschen Rekordmeister den Saisonhöhepunkt schlechthin dar - für den Anderen ist es ein Puzzleteil auf dem Weg zur Realisierung seiner Saisonziele. Beide Ansätze sind legitim, ehrlich und vor allem lediglich eine Reaktion auf den vorsichtig ausgedrückt unglücklichen Spielplan der DVL. Verwunderlich nur, dass der sportliche Aspekt der Partie völlig vergessen wurde und in den Kommentaren der Medien bisher kaum Platz gefunden hat.



„Selten sind wir in eine Partie gegangen, auf die wir uns als Team so wenig vorbereiten konnten, wie diese. Jegliche Videoanalyse im Vorfeld war äußerst schwierig, da wir zwar die Einzelspieler kannten jedoch nicht deren Qualität als neues Team.“ So lautete die Grundaussage von Piraten-Chefcoach Matze Münz unmittelbar vor der Partie gegen den Deutschen Meister. „Viele Bundesligateams würden sich glücklich schätzen, Spieler mit einer solchen individuellen Qualität in den eigenen Reihen zu haben.“ Legte Manager Rick Wiedersberg nach. Folglich waren zwar die Chancenverhältnisse dieser Partie etwas ausgeglichener verteilt, doch von der Idee, Gastgeschenke zu verteilen, waren die Häfler weit entfernt. Entsprechend eng gestaltete sich dann auch der erste Durchgang. Jedes Team versuchte die taktischen Varianten des Gegners zu studieren, quasi neu zu lernen, welcher der richtige Weg zum Erfolg an diesem Abend sei. Die Suche nach einem Schwachpunkt im Annahmeriegel der Gäste war für die Piraten Anfangs jedoch vergeblich. Mit Ruhe und Präzision landeten die meisten Annahmen der wenig druckvollen Piratenaufschläge in den Händen des 12-fachen serbischen Nationalzuspielers Nikola Jovovic, der mit viel Übersicht seine Angreifer in Szene setzten konnte. Eine kurze Zwischenführung der Münztruppe beim 13:10 glich man schnell wieder aus und die erste Chance zum 28:26-Satzerfolg wurde von den Gästen genutzt.
Vergrößerung anzeigen - Wird in einem neuen Fenster angezeigt. Voll auf Angriff - Matthew Denmark (VfB)

In Satz zwei und drei zeigten sich dann erste Erfolge des Piraten Teamstudiums. Vor allem der Block stellte sich etwas besser auf die Angriffsvarianten der Häfler ein. Insgesamt fasste man viermal erfolgreich zu und sicherte jeweils im Mittelteil der Sätze eine komfortable 5-Punkteführung. Eine etwas stabilere eigene Annahme hätte sicher gereicht, die Sätze deutlicher zu gewinnen, doch so schoben sich die Mannen von Ulf Quell in Runde zwei noch einmal auf 20:21 heran, bevor MVP des Abends und Routinier Mark Siebeck mit seinen unwiderstehlichen Aufschlägen den Satz beendete.
Wer allerdings glaubte, die Gäste wollten nun nach einem 1:2-Satzrückstand schnell die Rückreise an den Bodensee antreten sah sich getäuscht. Munter setzte man weiter auf Angriff, lernte im Spielverlauf immer neue eigene Varianten hinzu und stellte die Spergeauer erneut vor die Tatsache, dass man trotz dezimiertem Spielerkader nicht gewillt war, mit einer Niederlage zurückzureisen.
Vergrößerung anzeigen - Wird in einem neuen Fenster angezeigt. Voll auf Angriff - Christoph Helbig (CVM)

Eine kleine Fehlerserie des neben Siebeck mit je 24 Punkten fleißigsten Punktesammlers an diesem Abend, Christoph Helbig, reichte dem Meister, sich mit 25:22 den vierten Satz zu sichern und somit den Showdown im Tie-Break zu erzwingen. Moral und maximaler Einsatz waren jetzt gefragt und die Piraten hatten genug von beidem. Drei Blockpunkte und eine etwas bessere Angriffseffektivität im finalen Satz reichte letztlich zum verdienten 3:2-Erfolg und sorgten unter den zahlreichen Fans für Standing Ovations.
Bleibt die Frage, ob dieser Sieg der Piraten tatsächlich einen „faden Beigeschmack“ hat. Die Augenzeugen des Abends in der Halle können in jedem Fall eine klare Antwort darauf geben: Nein. Die Zuschauer haben ein Spiel auf Augenhöhe gesehen, dass über weite Strecken einen offenen Ausgang hatte. Die unglücklichen terminlichen Rahmenbedingungen sollten jedenfalls eher in den Fokus gerückt werden als die Frage, nach einer möglichen Nachlässigkeit am Bodensee. Fest steht in jedem Fall: Ein solches Spiel polarisiert.
 
CV Mitteldeutschland
http://www.volleyball-bundesliga.de
erstellt am 27.02.2012

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