GSVE mit zu viel Lockerheit in der Saison

GSVE Delitzsch vs. TSV Grafing, 06.01.18, 2. BLSM
Nicht nur Felipe Pardini Glaser soll beim GSVE Delitzsch auf dem Feld Aggressivität ausstrahlen.
Foto: Alexander Bley

So nüchtern sein Studium, so nüchtern bewertet Felipe Pardini Glaser (24) die Situation, in der sein Team steckt. Der GSVE Delitzsch befindet sich in der 2. Bundesliga im Abstiegskampf. Dass die Volleyballer vom Lober so dastehen wie sie stehen, war abzusehen, sagt der Jura-Student, der sich auf der Ziellinie seiner akademischen Ausbildung befindet. Die Wende muss her – schnell. Sieben Heimspiele hat der GSVE noch in der Rückrunde. Am Sonnabend kommt das erste Brett: Der Tabellendritte Grafing gastiert 20 Uhr in der Beckerhalle beim Elften.

Fünf Siege und acht Niederlagen in der Hinrunde, elfter Platz – so schlecht war der GSVE in der 2. Liga bisher nur einmal, in der Saison nach dem Abstieg aus der Bundesliga. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Wir stehen da, wo uns viele in der vergangenen Saison erwartet hatten. Da waren wir schnell durch und sicher, haben eine passable Serie hingelegt. Die ersten fünf Spiele haben wir gewonnen. Den Meister Eltmann glatt in drei Sätzen, Rüsselheim, Schwaig ebenso. Fellbach musste sich uns gleich zweimal beugen. Vielleicht sind wir da schon zu locker geworden. Diese Lockerheit haben wir mitgenommen – im negativen Sinn. Dabei sind wir weder in eine höhere Liga auf- noch aus der Bundesliga abgestiegen. Da wären solche Leistungsschwankungen normal.

Wenn Sie die negative Lockerheit ansprechen – hat sich das nicht schon in der Rückrunde der vergangenen Saison abgezeichnet?

Ja, es hat sich abgezeichnet. Wir haben die Spiele aus den selben Gründen verloren. Die Trainingsbeteiligung ließ nach. Das Ziel, nach dem Umbau des Teams die Liga zu halten, hatten wir schnell erreicht. Wir waren dann zu locker. Es ist schwer, aus dieser Kurve rauszukommen.

Können Sie genauer erklären, wann das Lockersein ins Negative umschlägt?

Das beste Beispiel: Gegen gute Mannschaften wie Schwaig, Fellbach und Eltmann haben wir mitunter deutlich gewonnen. Das hat gezeigt: Wenn alle konzentriert ins Spiel gehen, können wir als unterschätzte Mannschaft punkten. Diese Motivation trägt, später dann auch die Lockerheit. Weil es aber so gut weiterging, dachten wir, wir schaffen das auch in der Rückrunde. Da haben wir dann allerdings von den elf Spielen nur fünf gewonnen.

Worunter leidet die Trainingsbeteiligung?

An vielen privaten Sachen, die aber mitunter wichtig sind, weil es um die berufliche Zukunft geht. Robert Karl arbeitete an seinem Studienabschluss, Benedikt Bauer an Belegarbeiten. Paul Lohrisch hat einen neuen Job. Wieland Oswald ist selbstständig, hat viel zu tun und eine Familie. Felix Winkler geht es verständlicherweise nicht gut. Ich stecke derzeit in der Examensvorbereitung. Mental sind wir deswegen vielleicht nicht voll dabei.

Der Job geht vor, so lautet das Credo verständlicherweise beim GSVE. Aber wie soll die Mannschaft in dieser heiklen Phase die Wende schaffen?

Indem wir uns klar werden, dass wir die schlechtere Mannschaft sind, die ins Spiel geht. Und uns klar werden, dass wir im Abstiegskampf stecken. Wir müssen wie vor der vergangenen Saison an die Aufgaben gehen: Mannschaft A, B und C können geschlagen, D, E und F müssen besiegt und G, H und I wären das Sahnehäubchen. Wir haben nicht mehr so viele Spiele. Die Einstellung muss sich deutlich verbessern.

Ist es so simpel?

Natürlich nicht. Allein damit sind wir nicht aus dem Schneider, aber auf einem guten Weg. Jeder muss sein Bestes geben und den anderen mit hochziehen, anstatt den Kopf zu senken. Wir haben es nicht geschafft, als Mannschaft aufzutreten. In einer schlechten Phase im Spiel darf sich nicht jeder nach unten ziehen lassen. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein und uns eingestehen, dass es so nicht passt. Neben dem Feld sind wir gute Freunde. Das ist schön. Aber auf dem Feld müssen wir uns gegenseitig wach rütteln.

Und die Trainingsbeteiligung muss nach oben gehen ...

Ja, ohne das geht es nicht. Wir müssen mehr als vier oder sechs Spieler bei den Einheiten sein. Und das dreimal vor dem Spiel, jede Woche. Wenn wir dort Konstanz reinbekommen, dann wird auch die Leistung auf dem Feld konstanter.

Was kann Ihr Trainer Frank Pietzonka in dieser Misere noch machen?

Er tut mir fast schon ein bisschen leid. Er ist fast schon verzweifelt, weil er keine Impulse im Spiel setzen konnte. Wir müssen uns da rausholen. Das geht nur mit Training. Im Spiel kann er uns nur Tipps geben.

Was macht der Coach im Training?

Das Rausziehen muss von uns kommen. Er greift im Training härter durch, lässt zwischen den Übungen keine Zeit mehr, sodass nicht mehr so rumgeeiert werden kann. Das ist der einzig richtige Weg.

Ist die Liga stärker geworden oder der Delitzscher Volleyball schwächer?

Eigentlich geht es den meisten Teams doch ähnlich, weil 95 Prozent der Spieler keine Profis sind. Dementsprechend sind auswärts manchmal ein bis zwei Leistungsträger nicht dabei. Aber dennoch hat sich die Liga verändert. Grafing war viele Jahre ein Abstiegskandidat. Seit der Verpflichtung von Julius Höfer stehen sie gut da. Was sie vorher in der Außen-Annahme nicht geschafft haben, macht er wett. Eltmann und Schwaig sind und bleiben gut. Unterhaching ist zwar Aufsteiger, kann aber vom Bundesliga-Team Spieler ziehen. Karlsruhe ist ein Projekt, das gut funktioniert. Bleiben nur noch die L.E. Volleys – der Rest hat sich verbessert.

Gerade zu Hause hat der GSVE Punkte liegen gelassen ...

... weil wir einfach nicht gut waren. Das Heimspiel muss wieder mehr Bedeutung bekommen, auch wenn Integrationsfiguren wie Sebastian Reichstein und Jens Andrä nicht mehr da sind. Die Stimmung ist etwas mau. Wir dürfen auch nicht so früh aufgeben. Auch die kleinen Punkte werden wichtig.

Fehlt ein extrovertierter Spieler?

Eher einer, der mit Leistung überzeugt. Diese Spieler haben wir eigentlich – Robert, Maik und Paul. Von ihnen hängt unser Spiel ab. Läuft es bei ihnen nicht, müssen die Nebenmänner die Aufgaben übernehmen.

 

Quelle: LVZ-Regionalteil Delitzsch, 04.01.2018

veröffentlicht am Freitag, 5. Januar 2018 um 13:57; erstellt von GSV Ehrenberg Delitzsch e.V.

Spiele

Freitag, 20. April 2018

20:00
Hammelburg TV/DJK Hammelburg
Friedrichshafen VYS Friedrichshafen
3:0

Samstag, 21. April 2018

17:00
VI Frankfurt VI Frankfurt
Friedrichshafen VYS Friedrichshafen
3:0
19:30
Leipzig L.E. Volleys
Karlsruhe SSC Karlsruhe
1:3
19:30
Hammelburg TV/DJK Hammelburg
Unterhaching TSV Unterhaching II
3:1
19:30
Grafing TSV Grafing
Delitzsch GSVE Delitzsch
3:0
19:30
Freiburg FT 1844 Freiburg
Eltmann Oshino Volleys Eltmann
2:3
19:30
Mainz TGM Mainz-Gonsenheim
Schwaig SV Schwaig
0:3
19:30
Fellbach SV Fellbach
Rüsselsheim II TG 1862 Rüsselsheim II
1:3