„Extra-junge Wilde“ sorgen für Premiere

VfB Friedrichshafen vs. United Volleys Rhein-Main, 21.02.18, 1. BLM
Mit drei Assen in Serie machte Adrian Aciobanitei seinem Ex-Club Friedrichshafen ordentlich Druck.
Foto: Gregor Biskup

Am Ende hatten die United Volleys das geschafft, was in dieser Saison zuvor noch keinem Gegner in der Friedrichshafener ZF Arena gelungen war, weder in der Bundesliga, noch in der Champions League: einen Satzgewinn gegen die Hausherren vom VfB. Dass ihnen das versagt blieb, was 2017/18 überhaupt noch keinem Liga-Konkurrenten geglückt ist, nämlich dem Rekordmeister vom Bodensee gleich zwei Sätze und damit einen Punkt abzuringen, begründete Cheftrainer Michael Warm so: „Wir waren zwar über weite Strecken sehr aufmerksam und intelligent. Aber manchmal haben wir uns eben durch Juniorenfehler wieder kaputt gemacht, was wir zuvor aufgebaut hatten.“ 

Nach zwei Durchgängen hatte dabei schon alles nach einem weiteren klaren Erfolg für die Häfler ausgesehen, welche die Uniteds bereits im Hinspiel und im Pokal-Halbfinale bezwungen hatten. Neben Mittelblocker Lukas Bauer mussten die Gäste mit Außenangreifer Sebastian Schwarz verletzungsbedingt auf einen weiteren Routinier verzichten, der stattdessen zweitweise auf dem Co-Kommentatorenstuhl für die bundesweite Liveübertragung auf SPORT1 Platz nahm. Aus der Not machte Warm eine Tugend, schickte mit Jannis Hopt im Zuspiel für Patrick Steuerwald und Issei Otake anstelle von Lincoln Williams auf der Diagonalposition eine zusätzlich verjüngte Startaufstellung aufs Feld. Das Kapitänsamt übernahm erstmals von Beginn an Georg Escher. Der ging gleich mit gutem Beispiel voran, machte über die Mitte das 1:0 und marschierte mit einem Block zum 8:6 weiter vorweg.

Aufschlagspezialisten stacheln sich gegenseitig an

Sein WG-Mitbewohner Hopt schob an alter Wirkungsstätte ein Ass hinterher – bezeichnend für den bis dahin mehr als couragierten Auftritt der „extra-jungen Wilden“. Ordentlich Dampf machte zudem Moritz Karlitzek, so dass die Führung bis zum Stand von 17:16 aus Sicht der Hessen hin und her wechselte. Dann eine kurze Schwächephase mit unglücklichen Aktionen in Angriff und Abwehr, die Friedrichshafen eiskalt ausnutzte, um sich vorentscheidend abzusetzen. Daraufhin schienen die Hausherren erst richtig ins Rollen zu kommen, lagen in Durchgang zwei teilweise mit bis zu sieben Zählern in Front. Aber anders als in den bisherigen Begegnungen steckten die Uniteds nicht vorzeitig auf, sondern kämpften sich, angeführt von ihrem Topscorer Karlitzek, bis auf 17:20 heran.

Sogar die Chance, noch näher aufzuschließen und das Blatt eventuell zu wenden, war da. Allerdings hatten die Gäste ausgerechnet in der entscheidenden Satzphase zwei Mal Pech. Zunächst erkannte das Schiedsgericht bei einem Friedrichshafener Angriff, der weit ins Aus ging, unerwartet auf Tusch. Und dann ging am Anschreibertisch offensichtlich auch noch ein Punkt der Uniteds verloren, die dadurch endgültig aussichtslos zurücklagen. Bemerkenswert bis dahin: Während im Angriff vielleicht der eine oder andere Ball zu viel nicht das Feld traf, waren Escher & Co. mit ihren Flatterangaben umso zielsicherer und hatten auf diese Weise bereits sechs Service-Winner – drei davon durch Jannis Hopt – erzielt. Da wollten die eigentlichen Aufschlagspezialisten im Team in Durchgang vier, nunmehr unter der Regie von Patrick Steuerwald, nicht zurückstehen.

„Auch im dritten Spiel am Sonntag wach und frisch sein“

Mit drei Assen in Serie legte Adrian „Graf Attackula“ Aciobanitei zum 6:1 vor. Georg Escher erhöhte auf 10:4. Auch der „Mainblock“ war plötzlich hellwach und packte mehrfach erfolgreich zu, so dass es zur zweiten Technischen Auszeit bereits 16:6 stand. Auch bei Moritz Karlitzek zahlte sich das volle Risiko im Sprungaufschlag jetzt aus. Vor allem aber waren es die langen und spektakulären Ballwechsel, die zuvor meist zugunsten des VfB ausgegangen waren und nun von den Hessen gewonnen wurden. Nach dem glatten Uniteds-Durchmarschschienen die Häfler in Satz vier von vornherein alles klarmachen zu wollen. Aber erneut hielten die Rot-Blauen zunächst mit. Dann jedoch kam es zu besagten „Juniorenfehlern“ in Form gleich mehrerer verpatzter Angriffschancen. „Dadurch können wir den hohen Druck nicht aufrechterhalten“, analysierte Michael Warm, „aber wir wussten, wie schwer das hier wird.“ 

Ganze drei Zähler trennten beide Mannschaften in der Gesamtstatistik. Lob vom Trainer gab es außer für den erneuten „Sports&Travel MVP“ Karlitzek für den Japaner Otake, der sich immer besser ins Match hineingeackert hatte und am Schluss auf stolze 19 Punkte kam. Vor allem aber erinnerte Warm an das Wesentliche: „Die zwei Satzgewinne gegen die Topteams aus Berlin und Friedrichshafen waren zwar nett und mehr als verdient. Aber wir müssen im dritten Spiel der Woche genauso wach und frisch sein, auch wenn es schwerfällt.“ Am Sonntagnachmittag nämlich kommt die SVG Lüneburg in die Frankfurter Fraport Arena. Ein Sieg gegen die Norddeutschen wäre bereits ein wichtiger Schritt in Richtung Hauptrundenplatz drei vor den Playoffs. Tickets für das erste Heimspiel seit vier Wochen sind wie immer online erhältlich.

 

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veröffentlicht am Donnerstag, 22. Februar 2018 um 00:45; erstellt von TG 1862 e.V. Rüsselsheim
letzte Änderung: 22.02.18 00:45

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